River Surfing mit den Beach Boys von St. Nikolaus
Surfen mitten in der Stadt: Am Emile-Bethouart-Steg zwischen St. Nikolaus und dem Hofgarten hat sich eine kleine Wellenreiter-Szene etabliert.
Innsbruck – Wieso eigentlich nicht, hat sich Oliver Bachmann gedacht und mit zwei weiteren Surfern die Wellenlage beim Emile-Bethouart-Steg getestet. „Es ist nicht gerade spektakulär, aber es macht Spaß“, sagt der 28-Jährige. Seit Anfang diesen Sommers wird nun am Innsteg gesurft, was der Wasserstand gerade so hergibt. Und das könnte nach Wellenreiter-Geschmack freilich viel mehr sein. „Eine richtige Welle gibt es derzeit nicht“, erklärt Bachmann. Dennoch hat der Innsteg einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Meer, dem River Surfing in München oder der einstigen Surfgelegenheit bei Silz. „Ich wohne direkt am Inn. In zwei Minuten bin ich von zuhause im Wasser“, so der St. Nikolauser.
Die stehende Welle bei der Sill habe man zuletzt vor eineinhalb Monaten getestet. „Da war sie leider nicht wirklich surfbar“, erzählt Bachmann.
Staunen und Besorgnis
Am Innsteg ist indes nicht nur die Zahl der Schaulustigen rapide angewachsen, auch die Surfer-Gruppe hat sich seit Sommerbeginn verzehnfacht: An die 30 „Beach Boys“ demonstrieren zumeist unter großem Publikumsinteresse ihr Können. Einer von ihnen ist etwa der Student Marlon. „Wir haben den anderen zugesehen, dann wollten wir das unbedingt auch selbst ausprobieren“, so der Deutsche. Mit zwei, drei Kollegen ist er meist schon gegen Mittag im Wasser. Die Kerntruppe ist hingegen selten vor 17 Uhr anzutreffen, da der Wasserstand erst gegen Abend steigt.
Gefährlich sei der ganze Spaß nicht, versichert Bachmann. Seitens der Wasserrettung heißt es dazu: „Begeistert sind wir nicht, verboten ist es aber auch nicht“. Mit Ganzkörper-Neopren-Anzug seien die geübten Wellenreiter und Schwimmer jedoch gut gerüstet.
Grundsätzlich werde das Gefahrenpotenzial vom Inn mit seiner relativ hohen Fließgeschwindigkeit aber gerne unterschätzt, warnt die Wasserrettung. Bei ca. 12-13 Grad Wassertemperatur im Sommer ( http://wiski.tirol.gv.at/wiskiweb/stations/201525/station.html ) ist Unterkühlen eine große Gefahr. Aber auch Strudel und Unterwasserwirbel können für Ungeübte zum Verhängnis werden.
Während also zahlreiche Passanten die Kunststücke der Wellenreiter am Seil beklatschen, rufen besorgtere Bürger zuweilen schon mal die Polizei. Was bei der verantwortungsvollen St. Nikolauser-Truppe aber wirklich nicht sein muss.
River Surfing im Test
Die Innsbrucker Surfer sind zudem ziemlich freundlich und laden uns zum River-Surfing-Test. Einwände ein Laie zu sein, werden abgeschmettert: „Es ist leichter hier Surfen zu lernen als im Meer“, sagt Bachmann.
Also in den Neopren-Anzug gezwängt und ab zum Fluss. Was aber vom festen Untergrund aus betrachtet bei den Surfern ziemlich elegant aussah, erweist sich im strömenden Wasser am wackligen Brett festgeklammert als recht schwierig: Zwei Versuche auf dem Surfboard aufzustehen scheitern kläglich. Da hilft die geduldigste Einweisung nichts. Immerhin ist es ein recht berauschendes Gefühl im Inn stromabwärts zu treiben. Ohne Brett und Neopren dürfte es aber auch ein Gefühl sein, auf das man gerne verzichten möchte.
Der Welle nach
Am St. Nikolaus-Beach hat die Truppe inzwischen den Grill angeworfen. Ein Teil von ihnen wird sich morgen Richtung Bali verabschieden. Auf der Suche nach der perfekten Welle, versteht sich.