Adlerrunde platzt der Kragen

Die Fronten zwischen Landesrätin Zoller-Frischauf und 32 Unternehmern sind verhärtet. Ruf nach Experten-Beirat.

Von Anita Heubacher

Innsbruck –Schon einmal hatte die Adlerrunde, in der 32 Tiroler Unternehmer organisiert sind, ihrem Ärger Luft gemacht. In einem Inserat wurde angeprangert, dass die Politik sich durch einen rüden Umgangston nur selbst beschädige, ein Förderdschungel herrsche und die besten Ideen nicht zum Tragen kämen. Ein Dialog zwischen Experten und Politik wurde gefordert.

Zum Reden wollte man sich diese Woche treffen. Der Termin zwischen Adlerrunde und VP-Regierungsspitze ist allerdings geplatzt. Der Adlerrunde platzt indes der Kragen. Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Bodenseer habe vollinhaltlich Recht, erklärt Unternehmerin Ingeborg Freudenthaler, Mitglied der Adlerrunde. „Dem Land fehlt die wirtschaftsfreundliche Gesinnung.“ Bodenseer hatte seine eigene Partei zu Reformen gemahnt, weil vieles in der Politik nicht gut laufe. Auch Kritik an Parteichef Günther Platter wurde laut. Kommentieren will das in der ÖVP-Parteizentrale niemand.

„Die Unternehmer sind die Kunden der Politik“, erklärt Freudenthaler. Und als Kundschaft wolle man auch behandelt werden. Die politische Führung sei nicht kritikfähig. „Wir stehen gut da, das stimmt. Aber man muss sich mit den Besseren messen, sonst ist das der erste Schritt nach unten.“ Um die großen Probleme wie die Eurokrise zu lösen, brauche es einen Wirtschaftsbeirat. „Ein kleines Gremium aus Experten, das die Politik unterstützt.“

Wirtschaftslandesrätin Zoller-Frischauf kann keine Verstimmung in der Wirtschaft orten. Das Klima sei sehr konstruktiv. Die Landesrätin verweist darauf, dass es bereits vor Jahren einen Wirtschaftsbeirat gegeben habe. Dieser sei eingeschlafen, weil die Unternehmer das Interesse daran verloren hätten. „Ich bin aber gesprächsbereit“, meint Zoller-Frischauf und verweist auf ihre Sprechstunden dienstagnachmittags.

Das wertet Freudenthaler als Affront. „So geht man mit namhaften Unternehmern nicht um.“

WK-Präsident Jürgen Bodenseer hält einen Wirtschaftsbeirat für eine gute Idee. „Jede Kommunikationsplattform ist willkommen.“ Auch die Liste Fritz fordert ein solches Gremium und bringt einen Antrag im Landtag ein. Die Grünen sehen in der Kritik Bodenseers ein „Misstrauensvotum gegenüber Platter“.


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