3000 Golfbälle, die nie geschlagen werden

Christian Gruber pflegt zwei Leidenschaften. Eine ist das Golfspielen, die andere das Sammeln von Golfbällen. Mehr als 3000 besitzt er schon.

Von Judith Sam

Stumm –„Man sagt doch, Männer sind Jäger oder Sammler. Ich bin eindeutig ein Sammler“, erzählt der Pensionist Christian Gruber aus Stumm im Zillertal. Diese Worte bekommen Gewicht, wenn man sein Stiegenhaus betritt. Die Stufen vom Keller bis in das erste Obergeschoß sind gesäumt von großen Setzkästen – in jedem von ihnen werden Hunderte Golfbälle mit unterschiedlichen Aufdrucken zur Schau gestellt. „Ich kann nicht ganz genau sagen, wie viele Golfbälle ich besitze, weil jeden Tag zwei bis fünf neue dazukommen. Aber es sind definitiv mehr als 3000.“

1988 holte der 57-Jährige während eines Texas-Urlaubs zu seinen ersten Golfschlägen aus, sechs Jahre später trat er einem Tiroler Golfclub bei. Von Anfang an faszinierten ihn die verschiedenen Aufdrucke auf den kleinen, weißen Bällen: „Ich habe begonnen, von allen Turnieren, Golfurlauben und Golfhotelbesuchen je einen Ball aufzubewahren.“ Schon nach wenigen Tagen hatte er seinen ersten Setzkasten mit Bällen befüllt: „Damals waren es aber nur 24 Stück. Ich hatte ja absolut nicht die Absicht, im großen Stil zu sammeln.“

Die keimende Leidenschaft sprach sich aber herum: Seine Tochter ließ Fotos der Enkel auf Bälle drucken, Firmen schickten ihm Golfbälle mit Fehldrucken. Freunde brachten ihm seine runden Lieblingssouvenirs von ihren Neuseeland-, Afrika-, Asien-, Kanada- und Amerika-Urlauben mit. Gruber selbst begann, Großpackungen gebrauchter Bälle im Internet zu bestellen.

Während er vorsichtig über seine Ballsammlung streicht, erzählt er, warum er drei Bälle zu seinen Lieblingsstücken auserkoren hat. Mit dem ersten siegte sein Golf-Idol Miguel Angel Jimenez – ein spanischer Profigolfer – bei einer sehr wichtigen Partie.

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Mit dem zweiten hat Gruber selbst letztes Jahr ein Hole-in-One gespielt. „Den dritten Ball habe ich persönlich beim ‚Golfkrieg zwischen Amerika und England‘ ergattert“, Gruber lacht lauthals und erklärt: „Als ‚Golfkrieg‘ bezeichnet man den ,Ryder Cup‘ in England – das wichtigste Golfmannschaftsturnier der Welt.“ Gruber leistete sich dort eine Eintrittskarte für 300 Euro: „Das hat sich absolut gelohnt. Wegen des Spiels, bei dem ich zusehen konnte und weil ich einen original ,Ryder-Cup‘-Ball mit nach Hause nehmen durfte.“

Der frühere Tyrolit-Mitarbeiter blüht regelrecht auf, wenn er von seiner Passion erzählt: „Was gibt es Schöneres, als über einen Golfplatz zu spazieren? Allerdings gab es auch Zeiten, in denen es nicht sicher war, ob ich weiterhin aktiver Golfer sein kann.“

Kurz nachdem er wegen einer Parkinson-Erkrankung in Frührente gehen musste, hatte Gruber als Folge der Krankheit Probleme, die Schläger richtig zu halten: „Mit ein wenig Übung war ich aber bald wieder spielfähig. Heute habe ich ein Handicap von 15 und spiele drei- bis viermal wöchentlich.“ Lediglich für das Putten auf dem Grün – wo speziell die Feinmotorik gefragt ist – musste er sich einen neuen, speziellen Schläger besorgen.

Kürzlich bestritt Gruber sogar ein Turnier in Mondsee. Auch dort ergatterte er einen Ball für die Sammlung: „Einen besonderen sogar. Ich habe eine wirklich schlechte Partie gespielt, darum hat mir ein Bekannter einen Ball mit drei Punkten darauf geschenkt – das Blindenzeichen.“ Mit seinen Sammlerstücken spielt er jedoch nicht. „Wenn einer im Teich am Golfplatz untergehen würde, wäre das nämlich ein echter Verlust für mich.“

Grubers Frau Christa teilt seine Golfleidenschaften zwar nicht, sie unterstützt ihn aber dabei. „Dafür bin ich ihr sehr dankbar“, beschreibt der Stummer. Und weil er sich erkenntlich zeigen will, hilft er ihr bei ihrem Hobby: „Meine Frau stellt original Zillertaler Doggln her.“ Gruber sitzt regelmäßig an der Nähmaschine, um die Stoffteile zusammenzunähen, aus denen die kuscheligen Hauspatschen hergestellt werden. Lachend ergänzt der Pensionist: „Zum Glück verkauft Christa die Patschen und sammelt sie nicht, weil für Hunderte Doggln in Schaukästen hätten wir nicht mehr genug Platz.“


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