Die Kunst, das unbekannte Wesen aus der Natur

Willi Baumeister, der deutsche Großmeister der Abstraktion, im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst von Rovereto.

Von Edith Schlocker

Rovereto –Der Lehrer von Oswald Oberhuber in den frühen Fünfzigerjahren an der Stuttgarter Akademie war Willi Baumeister (1889–1955). Während eine große Oberhuber-Personale diesen Freitag in der Reither Galerie Schmidt eröffnet wird, läuft die seines Lehrers bereits seit drei Wochen im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst von Rovereto. Als Schlusspunkt einer kleinen Tournee, die im vergangenen Sommer in Palma gestartet ist und Anfang des heurigen Jahres in Winterthur Zwischenstation gemacht hat.

Zu sehen sind in der Schau rund 80 Gemälde und Zeichnungen aus sämtlichen Phasen des Werks von Willi Baumeister, die die Kuratoren Dieter Schwarz und Manuel Fontán del Junco aus den Beständen des Kunstmuseums Stuttgart und der Sammlung der Tochter des Künstlers auswählen durften.

Um ein Lebenswerk vorzuführen, das eines der bedeutendsten der deutschen Avantgarde in den Vierziger- und Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts ist. Dessen Radikalität in der Ablehnung alles Figuralen ihn in braunen Zeiten zum Entarteten gemacht, ihm jahrelanges Mal- und Ausstellungsverbot eingebracht hat.

Für Willi Baumeister war die Quintessenz seiner Kunst das „Unbekannte“. Gezeugt in einem geheimnisvollen, fast heiligen Schöpfungsakt, der für ihn das rein Menschliche übersteigt, Teil eines Prozesses ist, der in der Natur wurzelt.

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Die ersten, um 1913/14 entstandenen Arbeiten sind allerdings noch im Figuralen daheim, um sich ab 1920 ganz auf das konzentrierte Spiel mit geometrischen Formen einzulassen. Um horizontale, vertikale und diagonal geschichtete, runde und eckige Elemente zu menschlichen Idealformen zusammenzusetzen.

In den Dreißigerjahren wird Willi Baumeisters Handschrift weicher, die Kompositionen sind nun rhythmisch strukturiert, dominiert von raffinierten technischen Experimenten, u. a. mit Sand. In ihrer fast spielerischen Leichtigkeit besonders reizvoll sind Baumeisters Arbeiten aus seinen letzten Lebensjahren, die in ihrer im scheinbar luftleeren Raum ausgebreiteten Abstraktheit mehr erzählen als so manches scheinbar Abbildhafte.


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