Zwei Brüder, viele mystische Zahlen

Es waren einmal die Brüder Grimm. Sie zogen aus, um die schönsten Märchen zusammenzutragen, zu überarbeiten und für die Nachwelt zu erhalten. Die Welt von Jacob und Wilhelm Grimm in – natürlich – magischen Zahlen.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Die Zahl 2, denn schließlich kommen in den Märchen der Brüder Grimm immer wieder Geschwisterpaare vor: „Hänsel und Gretel“, „Brüderchen und Schwesterchen“ oder „Schneeweißchen und Rosenrot“. Auch die bösen Stiefschwestern („Aschenputtel“) treten zu zweit auf.

2,4: „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ von Walt Disney gehört laut dem American Film Institute zu den hundert besten Filmen aller Zeiten. Auf der inflationsbereinigten Liste der erfolgreichsten Filme belegt der Zeichentrickstreifen mit seinem Einspielergebnis von über 2,4 Milliarden US-Dollar zudem den dritten Platz. Disney wurde dafür 1939 von der Filmakademie mit einem Ehrenoscar honoriert. Die Auszeichnung bestand aus einem regulären Oscar sowie sieben symbolischen Miniaturausgaben. Bei seinen Märchenverfilmungen hielt sich Disney übrigens nicht immer an die Originalvorlagen, stark entfremdet waren zuletzt „Küss den Frosch“ (2009) und „Rapunzel – Neu verföhnt“ (2010).

3: Allerleirauh verlangte vom Vater drei Kleider, eins so golden wie die Sonne, eins so silbern wie der Mond und eins so glänzend wie die Sterne. Der Held muss immer drei Aufgaben lösen. Aschenputtel ging alle Tage dreimal zum Grab ihrer Mutter, weinte und betete. Das Fest des Königs dauert drei Tage an. Schneewittchens Mutter verliert drei Tropfen Blut. Sogar der Teufel hat genau drei goldene Haare. Und auch in Brüderchen und Schwesterchen fragt die Königin dreimal: „Was macht mein Kind, was macht mein Reh?“

7: Das tapfere Schneiderlein erledigte sieben Fliegen auf einen Streich. Schneewittchen lebte hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Die sieben Brüder werden in Raben verwandelt, und der Wolf will alle sieben Geißlein mit Haut und Haar verschlingen.

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Die Zahlen Drei und Sieben kommen in den Märchen der Brüder Grimm besonders häufig vor. Die Drei gilt von alters her als göttliche, heilige Zahl, aber auch die mystische Sieben kommt immer wieder vor. Sie ist die Addition von Drei und Vier, die Verbindung des Geistigen und der Seele mit dem Körper. In „Der Hase und der Igel“ läuft der Hase 73-mal mit dem listigen Igel um die Wette, bis er schließlich tot umfällt.

12: Der König im Märchen „Die zertanzten Schuhe“ hat zwölf Töchter. In „Die zwölf Brüder“ wollte der König seine zwölf Söhne töten lassen, sollte das dreizehnte Kind ein Mädchen sein. Als Rapunzel zwölf Jahre alt war, wurde sie von der Zauberin in einen Turm gesperrt, der weder Treppe noch Türe hatte.

13: In „Dornröschen“ rächt sich die 13. Fee, weil sie nicht zum großen Fest zur Geburt der Königstochter eingeladen war. Es gab nur zwölf goldene Teller.

26: Tausende junge und ältere Märchenfreunde strömen jeden Sommer nach Hanau, dem Geburtsort von Jacob und Wilhelm Grimm, um sich von den Brüder-Grimm-Märchenfestspielen verzaubern zu lassen. „Das populäre Freiluft-Festival vor der Kulisse des Schlossparks von Philippsruhe zieht seit 26 Jahren Menschen von nah und fern in seinen Bann“, heißt es von Seiten der Gemeinde. Von Mai bis Juli feiert die Stadt auf diese Art und Weise ihre berühmten Söhne und den Fantasiereichtum der Grimm‘schen Märchen.

40: Die Märchen der Brüder Grimm beginnen bei Weitem nicht immer mit den Worten „Es war einmal“. Tatsächlich soll die bekannte Eröffnungsformel bei etwa 40 Prozent der Geschichten verwendet worden sein.

100: Dornröschen muss hundert Jahre schlafen.

170: Die Märchensammlung der Brüder Grimm, die in etwa 170 Sprachen übersetzt wurde, zählt zu den weltweit beliebtesten Büchern überhaupt.

200: Am 20. Dezember 1812 erschien die Erstausgabe der Grimm‘schen Kinder- und Hausmärchen, in diesem Jahr jährt sich die Herausgabe zum 200. Mal. Laut Internetportal der Stadt Hanau, der Geburtsstadt von Jacob (geboren am 4. Januar 1785, gestorben am 20. September 1863 in Berlin) und Wilhelm Grimm (geboren am 24. Februar 1786, gestorben am 16. Dezember 1859 in Berlin), sind die Hausmärchen das neben der Bibel am meisten gelesene und übersetzte Druckwerk weltweit.

210: So viele mündlich überlieferte Märchen sammelten und zeichneten die Brüder Grimm im Laufe der Jahre auf, viele stammen von der Märchenerzählerin Dorothea Viehmann. Sie soll jedoch eine gebildete Frau gewesen sein und nicht nur eine alte Bäuerin, als die sie dargestellt wurde.

600 Kilometer lang ist die Deutsche Märchenstraße: Seit 1975 führt ihre Route von der Brüder-Grimm-Stadt Hanau bis nach Norddeutschland zu den Bremer Stadtmusikanten. Sie reiht die Lebensstationen der Brüder Grimm sowie Orte und Landschaften, in denen ihre Märchen beheimatet sind, zu einem Reiseweg aneinander. Ausgeschildert ist die Straße mit einem als Herz ausgeformten Kopf einer Märchenfee.

1896: Das bronzene Brüder-Grimm-Nationaldenkmal von Syrius Eberle auf dem Marktplatz vor dem historischen Neustädter Rathaus wurde 1896 enthüllt. Es kennzeichnet Hanau als Geburtsstadt der weltberühmten Märchensammler und Sprachwissenschafter.


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