Frequency - Abbruch des Placebo-Konzertes nach nur einem Song

Der Sänger Brian Molko sei laut Auskunft seines Bassisten krank.

St. Pölten - Der Auftritt der britischen Glamrock-Band Placebo am Frequency-Festival am Donnerstag dauerte nur einen Song lang. Die Band brach nach „Kitty Litter“ ab und kam nicht wieder. Zunächst trommelte noch der Drummer, der offenbar den Grund für das Ende des Konzertes noch nicht kannte, ein wenig herum. Dann verschwand auch er. Nach langer Pause trat Bassist Stefan Olsdal an das Mikrofon und verkündete, dass Sänger Brian Molko krank sei. Der gebürtige Schwede versuchte den Grund für das abrupte Ende in Deutsch zu erklären: „Habe Neuigkeiten, das sind nicht gut. Mein Bruder (im Sinne von ‚guter Freund‘, Anm.) und Sänger Brian ist nicht gut und krank und kann nicht die Show spielen. Ja, das ist Scheiße, große Scheiße für uns auch.“ Der Musiker wirkte betroffen. Er versprach, in einem Jahr als Entschädigung wieder zu kommen. Über den Gesundheitszustand des Popstars lagen zunächst keine weiteren Angaben vor.

Dabei hatte der zweite Tag der Veranstaltung zuvor so tolle Momente zu bieten gehabt. Nachdem Jan Delay mit einer fröhlichen Fusion von Funk, Soul, Hip-Hop und Reggae das Areal vor der „Space Stage“ zum Tanzparkett umgewandelt hatte, servierte Noel Gallagher Hymnen von seiner neuen und alten Band. Der Oasis-Klassiker „Don‘t Look Back In Anger“ am Ende seines Sets war einer dieser magischen Momente, warum man Konzerte besucht. Gallagher spielte viele neue Stücke von seinem Soloalbum, „Everybody‘s On The Run“, „AKA... What A Life“ oder „The Death Of You And Me“ (mit markantem Klavierpart statt Trompeter) zeigten auch live, dass der Brite - von einer englischen Zeitschrift zum „Godlike Genius“ ernannt, mit den High Flying Birds besseres Material als zuletzt mit Oasis veröffentlicht hat. Noel mag nicht der Frontman wie Bruder Liam sein (und er spricht auch manchmal, selbst wenn er St. Pölten mit Wien verwechselte), aber gesanglich steht er ihm nichts nach.

Begleitet von einer soliden Band brachte der Mann, der den Britpop entscheidend mitprägen konnte, trotz der wunderbaren aktuellen Lieder vor allem mit den Songs seiner früheren Band die Zuhörer zum Ausflippen - besonders mit „Whatever“ im stimmigen Arrangement und das von Tausenden mitgegrölte „Don‘t Look Back In Anger“. Dass Gallagher nicht vor „seinem“ Publikum stand, zeigte allerdings der Zustrom - der war bei Delay wesentlich größer.

In die Disco hatte vor den beiden Hauptacts auf der „Space Stage“ Jan Delay geladen. Der deutsche Funk-, Soul, Hip-Hop- und Reggae-Musiker und seine Band wissen, wie man ein Festivalgelände in einen riesigen Dancefloor verwandelt. Souverän schwebte der Sänger zwischen seinen Stilen, bot gekonnt Rhythmen zum Tanzen, würzte sein Programm mit Coverversionen (seine Background-Damen stimmten etwa Whitney Houstons „I Wanna Dance With Somebody“ an, er selbst brachte „Remmidemmi“ von Deichkind) und kann längst auf die Wirkung seiner eigenen Songs zählen. Das war sehr unterhaltsam und wirbelte mächtig Staub auf.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Clubatmosphäre herrschte dagegen vorerst bei der „Green Stage“, wo parallel zu Delay seine Stadt-Kollegen Kettcar aus Hamburg Indie-Rock bekömmlich servierten. Zu späterer Stunde lockte Kalkbrenner mit seinen Beats dann die Partypeople an. Auf der „Weekender Stage“, an sich ein Nebenschauplatz in einer Halle, wurden Mike Snow, Electropop-Formation aus Schweden mit amerikanischem Sänger, ihrem vorausgeeilten guten Ruf gerecht. Ihre schönen Melodien verzauberten. (APA)


Kommentieren