Spanier verzichten auf Sommerurlaub

Der Sparkurs trifft nicht nur Spaniens Banken: Viele Iberer streichen heuer ihren Urlaub oder besuchen die Familie.

Madrid –Ein Viertel der Spanier ist arbeitslos, die Wirtschaft befindet sich in der Rezession und auf kurze­ Sicht ist kein Ende­ der Wirtschaftskrise­ in Sicht. Unter diesen schwierigen wirtschaftlichen Umständen verzichten viele Spanier in diesem Jahr auf teure Urlaubsreisen ins Ausland und verbringen­, wenn überhaupt, die Sommer­ferien lieber im eigenen Land.

Nach Schätzungen des Verbands spanischer Reise­agenturen verzichten in diesem Jahr rund 45 Prozent der Spanier darauf, im Sommer zu verreisen. Nur 40 Prozent lassen sich von der Krise nicht vom wohlverdienten Urlaub abhalten­. Vor allem bei der Generation über 55 Jahre ist der Anteil derjenigen, die in diesem Jahr wegen der Wirtschaftskrise gar nicht verreisen wollen­, doppelt so hoch wie jener der Reise­lustigen, erklärte­ Verbandschef Rafael Gallego­ nach spanischen Medienberichten am Montag.

Die hohe Arbeitslosigkeit­ und die schlechten Zukunftsperspektiven auf dem spanischen Arbeits­markt nehmen den Spaniern­ eindeutig die Lust am Verreisen. Das bestätigt auch eine Umfrage des spanischen Wirtschaftsinstituts ESADE unter den Bewohnern der größten spanischen Städte­ Madrid und Barcelona. Laut der ESADE-Studie blieben in diesem Sommer die Hälfte aller Madrilenen und rund 35 Prozent der Barceloner daheim.

Das bekommt auch die spanische Tourismusbranche hart zu spüren. Nach Angaben des spanischen Hotelverbands gingen die Buchungen spanischer Urlauber in spanischen Urlaubsgebieten in diesem Sommer um rund 30 Prozent zurück, erklärte am Sonntag Verbandsvorsitzender Juan Molas der Zeitung El País. „Die Spanier schrecken wegen der Krise sogar vor dem Urlaub im eigenen Land zurück. In vielen Urlaubsregionen, die hauptsächlich von Einheimischen besucht werden, sind noch bis zu 40 Prozent der Hotelplätze­ frei. So etwas kam noch niemals im Sommer vor“, schildert Molas die Lage. Bei Spaniern beliebte Urlaubsorte wie Benidorm, die Costa Brava, die Kanarischen Inseln, die Balearen­ oder auch die Costa del Sol können die Saison nur dank der steigenden Urlauberzahlen aus England, Deutschland und Russland retten, so Molas weiter.

Unterdessen zeichnet sich unter den Spaniern, die trotz Krise ihren Urlaub an der heimischen Küste oder im Landesinneren­ verbringen, eine starke Tendenz zum Sparen ab. Nach der ESADE-Studie erklärten rund 25 Prozent, ihre Ausgaben im Urlaub im Vergleich zum vergangenen Jahr fast halbieren zu wollen. Viele Spanier, so die ESADE-Umfrage, besuchen zudem vermehrt Bekannte oder Familien­angehörige in den Urlaubsgebieten, um sich die Hotelkosten zu sparen. Generell gehen die Spanier in diesem Sommer­urlaub auch weniger essen­ und verkürzen ihre Urlaubstage­ deutlich, erklärte Spaniens Hotelverbandschef Juan Molas.

Anders sehen das die Italiener: Viele wollen trotz leerer Brieftasche nicht auf den langersehnten Urlaub verzichten. So wenden sie sich immer häufiger an Finanzgesellschaften, um Kleinkredite zur Finanzierung der Ferien zu erhalten­. Im ersten Halbjahr 2012 haben Banken und Finanzgesellschaften den Italienern 24 Mio. Euro für Reisen und Urlaub gewährt, das sind 40 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2011, geht aus einer Analyse der Finanzgruppe Prestiti.it hervor. (APA)


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