Die wahren Superhelden

Der Festivalwahnsinn ist vorbei: Endlich Zeit, um die wahren Helden des Frequency zu würdigen.

Wer braucht schon Superman? Der Kaffeemann ist der wirkliche Superheld.
© Jan Hetfleisch

Vom Frequency: Simon Hackspiel und Jan Hetfleisch

© Jan Hetfleisch

Es grenzt schon fast an ein Wunder. Jeden Morgen, an dem ich noch halb im Delirium aus dem Zelt krieche, steht er bereits vor dem selbigen. Einen riesigen Kanister vollgefüllt mit Muntermacher auf dem Rücken. „Hallo Kaffeemann“, krächze ich, mit vom Vorabend arg gebeutelten Stimmbändern. „Einmal schwarz mit Zucker“. Der Kaffeemann lächelt mich an, wohlwissend, dass er in diesem kurzen Augenblick der wichtigste Mensch überhaupt für mich ist. Er füllt den Becher, reicht ihn mir. Ich himmle ihn an: „Danke Kaffeemann, du bist der Beste. Morgen schreib ich in meinem Blog über dich.“

Eine Gattung Festival-Superheld, mit der man nicht so gerne in Kontakt kommt, ist hingegen der Dixieklo-Reiniger. Dieser Job ist wirklich nichts für empfindliche Nasen. Details erspare ich euch hier. Klar ist aber, dass schon im Vorbeigehen in Sekundenschnelle klar wird, warum manche extra VIP-Tickets kaufen, nur um Zugang zu sauberen Toiletten zu haben. Doch am letzten Festivaltag sind es nicht die Klos alleine, die Ekel erregen. Viele Zeltplätze gleichen Müllhalden. Die Traisen hat auch schon mal deutlich sauberer ausgesehen, tut aber in der brütenden Hitze weiter ihren Dienst als Abkühlungsort Nummer eins.

So versammelt sich auch die TT-Crew - zumindest bis die ersten sehenswerten Bands anfangen - wieder dort. Aufgrund des weiterhin enormen Schlafmangels lässt die Motivation, schon am frühen Nachmittag zu den Bühnen zu spazieren, jedoch bei manchen etwas nach. Auch der unter Dauerstrom stehende Robert fehlt jetzt, er musste leider bereits Samstagfrüh zum Arbeiten zurück nach Innsbruck. Planschen und Relaxen am Fluß ist aber auch wunderbar, das haben nicht nur wir erkannt. Rasch werden dort neue Bekanntschaften geschlossen, mit welchen es dann erst nach dem Abendessen zu den sehr ideenreichen Rockern von „Bloc Party“ an die Space Stage geht.

Nach einem raschen Bühnenwechsel grooven wir an der Green Stage weiter mit den österreichischen Elektroswing-Pionieren von „Parov Stelar“. Der Sound zwingt uns regelrecht zum Tanzen, wir geben noch einmal alles, was in uns steckt. Zum Glück gibt es danach als Kontrastprogramm die liebevoll-melancholischen Klänge von „The XX“. Die sich perfekt ergänzenden Stimmen von Romy Croft und Oliver Sim wirken betörend und lassen uns alle zur Ruhe kommen. Einfach zuhören und genießen.

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Als „The Cure“ beginnt, trennen sich unsere Wege wieder. Ich gehöre zu denen, die den letzten Headliner verpassen. Zu groß ist die Müdigkeit. Vier Tage vollgepackt mit Musik, Campen, Sonne und viel Spaß gehen zu Ende. Schön war’s Frequency. Bis zum nächsten Jahr. Danke. Auch der Kaffeemann darf gerne wieder kommen.


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