Gesellschaft

Nachbarn leiden unter Syrien-Krieg: Granaten und Elend an der Grenze

Der Bürgerkrieg in Syrien zieht auch die Nachbarländer in Mitleidenschaft. Jordanier beschweren sich über Granaten, die über die Grenze fliegen. Ankara fordert wegen des Flüchtlingsstroms eine Schutzzone.

Istanbul, Amman - Im Kampf gegen die Aufständischen nimmt die syrische Führung auch Ärger mit den Nachbarstaaten in Kauf. Am Sonntagabend schlugen in Jordanien nahe der Grenze vier Granaten der syrischen Armee ein. Ein fünf Jahre altes Mädchen wurde nach Angaben der Behörden verletzt. Als die Regierung daraufhin den syrischen Botschafter in Amman, Bahdschat Suleiman, einbestellte, sei dieser nicht erschienen, meldeten lokale Medien am Montag. Die Türkei, die bereits mehr als 70.000 Flüchtlinge aufgenommen hat, teilte mit, sie versorge wegen der zunehmenden Not der Menschen jetzt auch Vertriebene auf der syrischen Seite der Grenze mit dem Nötigsten.

In der syrischen Provinz Daraa, die an Jordanien angrenzt, kam es auch am Montag wieder zu Kämpfen zwischen den Truppen von Präsident Baschar al-Assad und den Regimegegnern. Aktivisten sprachen von 14 Toten in den Reihen der Aufständischen. Am Vortag seien landesweit mehr als 130 Menschen getötet worden, meldete die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter, darunter 83 Zivilisten.

In den vergangenen Monaten hatte es auch an der libanesisch-syrischen Grenze und an der Grenze zur Türkei Tote und Verletzte gegeben. Regimegegner, die den Grenzübergang Al-Salama nahe der türkischen Ortschaft Kilis kontrollieren, erklärten, sie seien erstaunt, dass Ankara auf die Angriffe der syrischen Kampfpiloten direkt an der Grenze bislang in keiner Weise reagiert habe.

Türkei gibt Flüchtlingen in Syrien Hilfsgüter

Auf der syrischen Seite der Grenze seien bei Reyhanli Hunderte wartende Flüchtlinge mit Hilfsgütern und Medikamenten versorgt worden, berichteten türkische Medien am Montag. Das Krisenzentrum der türkischen Regierung teilte mit, an der Grenze sollten von nun an unter Beachtung internationalen Rechts Hilfsgüter für die Menschen jenseits des Grenzzaunes übergeben werden.

Wegen der schnell wachsenden Zahl syrischer Flüchtlinge fordert die Türkei außerdem Vorbereitungen für die Einrichtung von Schutzzonen auf syrischem Boden. Die türkischen Lager könnten nicht mehr als 100.000 Flüchtlinge aufnehmen, zitierte die Tageszeitung „Hürriyet“ Außenminister Ahmet Davutoglu. Die Vereinten Nationen könnten Lager auf syrischer Seite der Grenze errichten. (dpa)

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