Bergbauern ringen um fairen Ausgleich bei Förderungen

Tauziehen um Verteilung von vier Milliarden Euro für Österreichs Bauern.

Von Peter Nindler

Neustift –Ganz Tirol ist eine Bergbauernregion. Davon konnte sich am Dienstag einmal mehr Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (VP) auf dem Kartnallhof der Familie Pfurtscheller hoch über Neustift im Stubaital überzeugen. Das Gefälle in den Einkommen, wonach Tirols Bergbauern in der Erschwerniszone 4 mit durchschnittlich 13.301 Euro im Jahr um mehr als die Hälfte weniger verdienen als Landwirte in Gunstlagen (29.083 Euro), sollte durch die Steilheit der Bergwiesen eindrucksvoll untermauert werden. Schließlich wird in den nächsten Monaten nicht nur mit der EU um die Verteilung der Agrarförderungen im Budget von 2014 bis 2020 gerungen, sondern auch in Österreich.

Vom EU-Förderkuchen in der Höhe von mehr als 50 Milliarden Euro erhält Österreich rund vier Milliarden Euro. Vorerst geht es um die Direktzahlungen von 707 Millionen Euro. Hier könnte Tirol profitieren, weil die historisch gewachsene Produktionsförderung, die die produktionsintensiven Betriebe bisher bevorzugt, reformiert wird. Durch die Umstellung der Prämien auf die Fläche würde sich der Anteil Tirols von rund 31 Millionen auf 40 Millionen Euro erhöhen. Diese Zahlen wollte Tirols Agrarreferent LHStv. Toni Steixner (VP) nicht bestätigen, „aber weil wir sicher zu den Gewinnern der Reform zählen werden“, erwartet er sich ein „hartes internes Match“ in Österreich mit Ober- und Niederösterreich. Er forderte jedoch Solidarität mit den Bergbauern ein, die schließlich einen wesentlich höheren Produktionsaufwand haben, und forciert deshalb ein bundesweit einheitliches Regionalmodell und keine Bundesländermodelle.

Insgesamt erhalten Tirols 15.500 Bauern rund 130 Millionen Euro an Leistunsgabgeltungen von EU, Bund und Land Tirol. Neben den Direktzahlungen (1. Säule) sind die Erschwerniszulage und die Umweltförderung mit mehr als 90 Millionen Euro der zweite Eckpfeiler.

Was die Fördersumme betrifft, gab sich Berlakovich unverbindlich. Er verspricht jedoch für die Bergbauern zu kämpfen wie die Schützen für Tirol. „Die Berglandwirtschaft benötigt schließlich einen starken Impuls.“ Den Preisdruck am Markt kritisiert Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger. Während die Konsumenten vor 30 Jahren noch 30 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgegeben haben, so sind es heute nur noch 12,1 Prozent. „Das will ich nicht kritisieren, aber die Erlöse für die Agrarprodukte für die Bauern werden immer kleiner, weil auch die Produktionskosten ständig steigen“, gibt Hechenberger zu bedenken.

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