Kulissen für Filme, die jeder für sich im Kopf drehen muss

In seiner ersten größeren Einzelausstellung präsentiert sich der in Wien lebende Tiroler Künstler Bernd Oppl als Spieler mit Räumen.

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Dass Bernd Oppl ein Fan der filmischen Ästhetik von Alfred Hitchcock und Stanley Kubrick ist, sieht man den Arbeiten an, die der 32-jährige Tiroler in der Neuen Galerie der Künstlerschaft zeigt. Sound und Schauspieler fehlen zwar in seinen Videoinstallationen, Gänsehaut erzeugt er allein durch seinen ganz speziellen Umgang mit Räumen. Indem er konkret mit der Erinnerung an filmische Bilder spielt, aber auch mit Albtraumhaftem, menschlichen Urängsten, abgründig Surrealem.

Ein von Oppl – der Malerei und Grafik in Linz studiert hat, bevor er sich an der Wiener Akademie von Dorit Margreiter in die Geheimnisse der Videokunst einweihen ließ – gern gewähltes Sujet sind offene Türe in an sich leeren Räumen. Sie werden in der im vergangenen Jahr entstandenen Arbeit „Delay Room“ zum „Hauptdarsteller“, führen durch helle und dunkle, labyrinthisch anmutende Räume, die jede Orientierung, jedes Ankommen, verunmöglichen. Basis der eine traumhafte Wirklichkeit suggerierenden Videobilder sind zwei kleine Architekturmodelle, die Oppl asynchron auf Drehbühnen kreisen lässt. Wodurch ständig neue räumliche Verschachtelungen entstehen, Grenzen sich auflösen, so etwas wie Raumskulpturen entstehen.

Was den Künstler prinzipiell interessiert, ist das Nebeneinander von physikalischen und virtuellen Räumen, die Transformation der einen in die anderen. Was auch in der Arbeit „emptiness of attention“ passiert. Sie besteht aus einem schwarzen Kubus mit einer rechteckigen Öffnung. Aus dieser heraus dreht sich ein Miniaturmodell, das einmal einen Innenraum, dann wieder ein Fassadenelement zeigt. Eine Videokamera projiziert das real jeweils nicht sichtbare Element auf eine Leinwand. Was sich hier tut, ist rätselhaft, provoziert jede Menge Assoziationen, weckt Erinnerungen, lässt Filme im Kopf entstehen.

Noch wesentlich dramatischer geht es allerdings in drei an die Wand montierten kleinen Videokuben zu. In Kubriks „Shining“ glaubt man sich in einer dieser Arbeiten versetzt, wenn ein endlos langer Korridor inklusive der aufnehmenden Kamera mit etwas undefinierbar Weißem geflutet wird. Allen Regeln der Schwerkraft scheinen dagegen in einem anderen Video die vier Bälle bei ihrem Tanz durch ein leeres Zimmer zu trotzen.

Total statisch kommen die drei Fotografien daher, die Oppl zum Einstieg in seine Ausstellung zeigt. Thema ist hier der Platz der drei Kulturen in Mexiko City, durch Mehrfachbelichtungen verunklärt zu einem Architekturporträt der sehr speziellen Art.


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