Innenpolitik

Rot und Grün auf Kuschelkurs in der Klamm

Ihre gute Gesprächsbasis pflegen Glawischnig und Faymann öffentlich. Im Wahlkampf sieht sich der SPÖ-Regierungschef aber noch nicht.

Von Cornelia Ritzer

St. Johann i. Pongau –Die Liechtensteinklamm ist ein idyllisches Stück Natur in St. Johann im Pongau. Dort, in einer Vorzeigegemeinde in Sachen Energieeffizienz, besuchte Kanzler Werner Fay­mann die Grünen-Chefin Eva Glawischnig. Eine Stunde plauderten die Spitzen von SPÖ und Grünen unter vier Augen, dann vor Journalisten. „Über wesentliche Themen, die uns beschäftigen, haben wir uns beraten“, verriet Glawischnig dann, die den größten Teil ihrer Sommertour hinter sich gebracht hat. Ihr sei Anstand in der Politik wichtig, „das war fast in jedem Gespräch Thema“ – und Gerechtigkeit. Dabei geht‘s um die Nöte von Ein-Personen-Unternehmen und Bauern, aber auch um Biosprit: „Alle fünf Minuten verhungert ein Kind unter zehn Jahren und bei uns werden Lebensmittel in den Tank gefüllt.“ Zur Gerechtigkeit gehören aber auch Vermögens- und Erbschaftssteuern, womit sie beim SPÖ-Kanzler offene Türen einrennt. Hier hätte sich die Grünen-Chefin von der SPÖ aber „mehr Durchschlagskraft gegenüber der ÖVP“ gewünscht.

Eine kleine Kritik, neben der es aber vor allem Lob gab. „Danke für die Unterstützung für ein gemeinsames Europa“, schickte der SPÖ-Chef Faymann Grüße an die Grünen. Und sprach damit deren Zustimmung zum Europäischen Rettungsschirm ESM an – für die notwendige Verfassungsmehrheit brauchten die Regierungsparteien die Unterstützung einer Oppositionspartei. An weitere erfolgreiche Parteien-Zusammenarbeiten wie Transparenzpaket und Medientransparenzgesetz erinnerte Glawischnig.

Und auch bei der Europapolitik demonstrierten die Politiker Harmonie. Leidenschaftlich warnte der SPÖ-Parteiobmann davor, „den Euro zu zerreißen und mit einer Leichtfertigkeit Länder rauszuschmeißen“. Dann drohe „Massenarmut“ und Jugendarbeitslosigkeit. Den EU-kritischen Kurs von ÖVP-Obmann Michael Spindelegger verurteilte Glawischnig als „taktische Position“, um gegen Frank Stronach bestehen zu können.

Von Vorwahlkampf oder gar dem Ausloten von Koalitionsmöglichkeiten sei man weit entfernt – trotz schöner Worte und Bilder. Und schließlich lobte der Kanzler auch die Volkspartei. Mit der habe man vor allem nach der Krise viel geschafft. Übrigens habe sie auch die ÖVP zu einem Sommergespräch eingeladen, erzählte Glawischnig noch. Die Antwort ist noch offen.

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