Von Johnson bis Armstrong - die spektakulärsten Sport-Dopingfälle

Überblick über spektakuläre Dopingfälle im internationalen Sport (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

1988: Der kanadische Sprinter Ben Johnson gewinnt bei den Olympischen Spielen in Seoul das 100-Meter-Finale gegen seinen großen Rivalen Carl Lewis (USA), muss seine in der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden gewonnene Goldmedaille später jedoch zurückgeben. Er war mit dem anabolen Steroid Stanozolol gedopt.

1994: Dem argentinischen Superstar Diego Maradona wird bei der Fußball-Weltmeisterschaft die verbotene Substanz Ephedrin nachgewiesen. Er wird vom Turnier ausgeschlossen.

1998: Bis dahin größter Tour-de-France-Skandal: Bei Festina-Team-Betreuer Willy Voet werden massenhaft unerlaubte Substanzen gefunden. Es folgen Razzien der Polizei, ein flächendeckendes Doping-System im Radsport wird enttarnt.

1999: Dieter Baumann, 5000-Meter-Olympiasieger von 1992, erlangt durch die „Zahnpasta-Affäre“ zweifelhaften Ruhm, als er positiv auf Nandrolon getestet wird. Der Deutsche bringt den Fall vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS, wird aber 2000 endgültig von den Spielen in Sydney ausgeschlossen.

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2005: Der Tennisprofi Mariano Puerto aus Argentinien wird als Wiederholungstäter für acht Jahre gesperrt. Kurz nach seiner Final-Niederlage bei den French Open gegen den Spanier Rafael Nadal wird ihm die Einnahme des verbotenen Mittels Etilefrin nachgewiesen. Er war bereits 2003 wegen Clenbuterol-Dopings gesperrt worden. Auch seine Landsleute Juan Ignacio Chela, Guillermo Coria und Guillermo Canas wurden des Doping-Missbrauchs überführt.

2006: Nach einer Doping-Razzia in den Turiner Olympia-Quartieren der österreichischen Langläufer und Biathleten flieht der ÖSV-Coach Walter Mayer. Bei der Durchsuchung werden Spritzen, Medikamente und Geräte zur Bluttransfusion sichergestellt. Vier Langläufer und zwei Biathleten werden vom IOC und der FIS gesperrt, das ÖOC wird vom IOC zu personellen Konsequenzen gedrängt und muss auf Fördermittel von einer Million Dollar verzichten. Schon vier Jahre zuvor hatte der Fund von Doping-Utensilien im Langlauf-Athleten-Haus in Salt Lake City zu Strafen durch IOC und FIS geführt.

2006: Zwei Tage vor dem Start der Tour de France werden neun Fahrer, darunter Jan Ullrich und der Italiener Ivan Basso, von der Rundfahrt ausgeschlossen. Sie sollen mit dem mutmaßlichen spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zusammengearbeitet haben. US-Profi Floyd Landis wird positiv auf Testosteron getestet. 14 Monate später wird er für zwei Jahre gesperrt. Der Tour-de-France-Sieg wird ihm aberkannt. Erst im Mai 2010 gibt er Doping zu.

2007: Die Radprofis Jörg Jaksche, Bert Dietz, Christian Henn, Udo Bölts, Brian Holm, Rolf Aldag, Erik Zabel und Bjarne Riis, der Tour-Sieger von 1996, gestehen Blutdoping. Die Sportärzte Lothar Heinrich, Andreas Schmid und Georg Huber werden von der Universitätsklinik Freiburg suspendiert.

2007: Im Oktober gibt die dreimalige Olympiasiegerin Marion Jones (USA) im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens zu, jahrelang gedopt zu haben. Die Olympiasiege werde der Sprinterin im Dezember 2007 vom IOC aberkannt. Die Medaillen hatte sie bereits zurückgegeben.

2008: Nach ersten Informationen durch die WADA, Medienberichte und schließlich eine anonyme Anzeige kommt die Humanplasma-Affäre ans Licht. Mehr als 30 Athleten sollen in dem Institut in Wien mit Hilfe eines Geschäftsführers und eines Arztes zwischen 2003 und 2006 Blutdoping betrieben haben. Einige Athleten werden bestraft, die Betroffenen der Plasmapherese-Station erstatten Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung.

2008: Radprofi Bernhard Kohl wird im Oktober nachträglich des Dopings bei der Tour de France überführt, die er als Gesamt-Dritter und Bergkönig beendet hatte. Er wurde während der Rundfahrt positiv auf CERA getestet. Später folgen umfassende Geständnisse über jahrelanges Doping.

2009: Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann erklärte nach einer Suspendierung durch die Nationale Anti-Doping-Agentur sein Karriere-Ende. Die in der Folge verhängte Sperre für sechs Jahre wird nach einem Einspruch auf zwei Jahre reduziert. Über Walter Mayer und Stefan Matschiner wird die Untersuchungshaft verhängt, sie werden später aufgrund des neuen Anti-Doping-Gesetzes verurteilt (Mayer noch nicht rechtskräftig).

2010: Tour-de-France-Sieger Alberto Contador wird positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet. Im Februar 2012 wird der spanische Radprofi vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zu einer Zweijahressperre bis August 2012 verurteilt, zudem werden ihm seine Ergebnisse seit Juli 2010 aberkannt.

2012: Die US-Anti-Doping-Agentur eröffnet angesichts mehrerer belastender Zeugenaussagen ein Verfahren gegen Tour-de-France-Rekordsieger Lance Armstrong. Der US-Radstar verzichtet auf einen Auftritt vor einem Schiedsgericht und beteuert weiterhin seine Unschuld. Die USADA will ihn lebenslang sperren und ihm Tour-Siege aberkennen. (APA, dpa)


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