Plötzlich gibt es zwei Rektoren

Der Hochschulstandort Tirol wird von einem (rechtlichen) Machtkampf erschüttert: Die Pädagogische Hoch-schule hat jetzt zwei Rektoren.

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Von Peter Nindler

Innsbruck - Es ist ein Machtkampf auf mehreren Ebenen. Und er geht zulasten der Studierenden, der Mitarbeiter und des Wissenschaftsstandorts Tirol. Wegen Aussagen zur Zukunft der Pädagogischen Hochschulen (PHT) hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) den vom Hochschulrat vorgeschlagenen neuen Rektor Elmar Märk bereits vor Dienstbeginn abberufen. Seinem Vorgänger, Markus Juranek, traute man jedoch nicht mehr zu, die Tiroler PHT weiterzuentwickeln. Das gibt Landesschulratspräsident und Ratsmitglied Hans Lintner offen zu.

In seiner sechsjährigen Amtszeit musste sich Jura-nek immer wieder massive Kritik gefallen lassen: intern wie extern. Nach dem Rektorshearing wurde er deshalb hinter Märk und dem Erziehungswissenschafter Manfred Steinlechner nur an die dritte Stelle gereiht. Nach Märks Abberufung hatte Schmied noch eine Neuausschreibung angekündigt, doch der Hochschulrat weigerte sich und stützt sich auf ein Gutachten der Uni Innsbruck.

Märk, und das verlautet Schmied, wird wieder als Direktor der HTL Innsbruck dienstzugeteilt, Lintner wurde von ihr angewiesen, den dort bereits vorgesehenen neuen Schulleiter zu „stornieren“. „Das wäre rechtswidrig gewesen“, akzeptiert der Schulratspräsident die Weisung Schmieds nicht und wirft ihr Ostblockmethoden vor.

Um den Gordischen Knoten zu lösen, wollte Schmied dann Steinlechner zum neuen Rektor der PHT bestellen. Er wäre schon zuvor der Wunschkandidat der PHT-Mitarbeiter gewesen. Doch Steinlechner machte die Neubesetzung des Vizerektorats zur Bedingung. Das lehnte Schmied ab. Wohl aus gutem Grund, ist doch die Vizerektorin für Studienangelegenheit die SP-Gewerkschafterin Andrea Gandler-Pernlochner. Auch ihre Nominierung fiel intern auf wenig Gegenliebe.

Letztlich betraute Schmied am Dienstag den Drittgereihten Markus Juranek mit der Führung der PHT für weitere fünf Jahre. Konflikte sind programmiert. Denn Mitarbeiter und Hochschulrat gehen auf Distanz zum so wiederbestellten Juranek. Bereits am Montag könnte die Situation eskalieren. Der Hochschulrat hat eine Sitzung mit Märk und den Institutsvorständen zur Planung des neuen Hochschuljahres einberufen, Juranek dürfte sich wohl hineinreklamieren. Da die Gewerkschaft die Abberufung Märks nicht akzeptiert und Klage gegen Schmied ankündigt, hat die PHT plötzlich zwei Rektoren.


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