Dem Ingenieur ist nichts zu schwör
„Unter Strom“ heißt eine Schau im Innsbrucker Archiv für Baukunst, die an Josef Riehl erinnert.
Von Edith Schlocker
Innsbruck –Für Zeitgenossen des großen Tiroler Ingenieurs Josef Riehl (1842–1917) war die Eisenbahnkarte Tirols die Visitenkarte jenes Mannes, der wesentliche Teile von ihr geplant bzw. gebaut hat. Die Ausstellung im Archiv für Baukunst der Innsbrucker Universität zeigt aber auch, dass Riehl nicht nur ein genialer Bahnbauer war, sondern auch der Planer zahlreicher Hotels, Straßen, Elektrizitätswerke, Bahnhöfe und Wildbachverbauungen. Um daneben auch noch eine Reihe von Steinbrüchen zu betreiben. War der „Landesbohrwurm“ doch einer, der visionäres technisches Denken auf einzigartige Weise mit unternehmerischem Geschick zu verbinden wusste.
Was dem Bozner Kaufmannssohn, der ab 1890 in Innsbruck lebte, ein beachtliches Vermögen einbringen sollte. Das er nach seinem Tod zum größten Teil seiner Wahlheimat zugunsten sozialer Zwecke gestiftet hat.
„Unter Strom“ heißt die Ausstellung im Archiv für Baukunst, die in Erinnerung bringt, was Tirol nördlich wie südlich des Brenners Josef Riehl alles verdankt. Denn als er begann, waren die zentralen Achsen des Bahnbaus in Tirol bereits abgeschlossen. Was noch fehlte, war der Aufbau eines regionalen Verkehrsnetzes.
Riehls sicher kühnstes Projekt war die vor 100 Jahren eröffnete Karwendelbahn, die es laut Michael Prachensky verdienen würde, wie die Semmeringbahn zum „Weltkulturerbe“ erklärt zu werden. Seit Ende der 1880iger-Jahre arbeitete Riehl an dem ehrgeizigen Vorhaben. Unzählige bürokratische Hindernisse galt es zu überwinden, Riehl investierte fast sein gesamtes Privatvermögen in die Vorarbeiten, ohne die Gewissheit zu haben, die von Innsbruck über Mittenwald bis Reutte führende Bahn jemals bauen zu können.
Erst 1904 bekam er den Auftrag. Der Martinswandtunnel wurde 1911 durchbrochen, am 28. Oktober 1912 das teilweise auf spektakulären Viadukten geführte Jahrhundertbauwerk eröffnet. Den Strom dafür lieferte das eigens dafür im Stubaital gebaute Ruetzwerk.
Aber auch die alte Hungerburgbahn wurde von Riehl nach dem Muster der Standseilbahn auf die Mendel bei Bozen gebaut. Genauso wie die Zahnradbahn auf den Ritten, bei der Josef Riehl bereits mit Energierückgewinnung arbeitete. Indem der beim Abwärtsfahren erzeugte Strom ins Netz eingespeist wurde. Offensichtlich zu wenig, um die Bahn in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts vor ihrer Einstellung zu retten. Allein Riehls Traum von einer Dolomitenbahn ging nicht in Erfüllung.
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