Kampf ums Bürgermeisteramt

Der amtsführende Jenbacher Bürgermeister stoppte SP-Wahlkampfauftakt. Ein Steg, eine Stiege und eine Pumpe am Gießen wurden für FP und SP zum Zankapfel.

Von Walter Zwicknagl

Jenbach –„1. Amtshandlung – 1. Wortbruch: Nachfolge im Bauausschuss mit schalem Beigeschmack“, plakatierte die Jenbacher SPÖ, nachdem FP-Obmann Hans Margreiter­ durch Losentscheid Obmann des Bauausschusses wurde. Innerhalb von 48 Stunden verschwanden die Plakatständer­ – und zwar auf Anweisung des amtsführenden Bürgermeisters, Vizebürger­meister Dietmar Wallner­ (VP). „Einen­ Wahlkampf soll es erst sechs Wochen vor dem 17. Februar, dem Tag der Bürgermeisterwahl­, geben. Jetzt heißt es einmal arbeiten. Und da steht einiges an. Außerdem kann ich mit diesem­ Niveau, das auf den Plakaten­ bewiesen wurde, nicht mithalten­“, stellt der Bürgermeister­kandidat der VP fest. Er übernahm nach dem Rücktritt des SP-Langzeitbürger­meisters Wolfgang­ Holub in der Gemeinde die Agenden eines Bürgermeisters der Marktgemeinde.

„In Gesprächen mit Dietmar Wallner über die Nachfolge von Holub im Bauausschuss hat es anders ausgesehen. Die Fraktionen SP und VP vereinbarten, den Vorsitz im Bauausschuss und Sozialausschuss zu tauschen. Gekommen ist es anders“, ärgert sich SP-Gemeindevorstand Andreas­ Lackner. Und zur Plakat­aktion der SP: „Wir haben­ uns nun der Anordnung gebeugt. Die Plakate sollten an zwölf Standorten Informationen liefern.“

Nicht zimperlich ging die SP auch mit FP-Obmann Hans Margreiter um. „Aus ähnlich modrigem Holz wie Zwischenzeitbürgermeister Wallner scheint auch der neue Bauausschussobmann Margreiter­ zu sein“, ist schwarz auf weiß nachzulesen. Schon im Vorfeld zu seiner Kandidatur habe der FP-Obmann bewiesen, wie er mit Eigentum der Allgemeinheit umgehe. Er habe ein Areal­ vor seinem Privatwohnsitz für seine persönlichen Zwecke beschlagnahmt. Gemeint sind eine Stiege, eine­ Plattform und eine­ Wasser­pumpe am Gießen, die Margreiter­ dort anbrachte. „Wer auch immer mich angezeigt hat, müsste wissen, dass dafür nicht die Gemeinde, sondern das Baubezirksamt Innsbruck-Wasserbau zuständig ist. Wenn ich aus dem Gießen entsorgte Fahrräder oder Autoreifen hole, regt sich auch niemand auf“, sagte Margreiter, ehe er zu Flitterwochen in wärmere Gefilde aufbrach. Sein Kommentar zum Hickhack um seine Position im Bauausschuss: „Offensichtlich hat die SP mit einem solchen Instrumentarium immer noch so ihre Probleme. Demokratisch gewählte Personen wie Wallner und mich öffentlich so in den Dreck zu ziehen und die Privatsphäre als politische Agitation zu verwenden, ist unterste Schublade.“ Und übrigens sei er nicht der Einzige mit Zusatzeinrichtungen am Gießen. Entfernen werde er Pumpe, Steg und Stiege dann, wenn alle anderen Einrichtungen am Gießen, die bisher toleriert wurden, ebenfalls entfernt werden. Zudem seien­ alle Schwarzbauten, die in den letzten 30 Jahren von der „Jenbacher Regierungspartei“ toleriert wurden, zu entfernen.

„Eigentlich müsste man sich von einem Gemeindemandatar Vorbildwirkung erwarten können“, reagiert Andreas Lackner. „Es ist höchste Zeit für einen neuen Stil. Den sehe­ ich im offenen Gespräch“, meint Wallner. „Und wo nichts versprochen wurde, gibt es keinen Wortbruch“, stellt er zum Thema Ausschuss-Nachbesetzung fest.

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