Kampf um Leitstelle bringt Kompromiss

Lienz wird zwar bei Notruf an Innsbruck angeschlossen, hat aber Sonderstatus als Außen-stelle mit drei Disponenten.

Von Catharina Oblasser

Lienz, Innsbruck –Ein lauter Protestschrei aus Osttirol war zu hören, als die eigenständige Bezirksleitstelle Lienz im Rotkreuz-Haus im April­ des Jahres zugedreht werden sollte. Plan des Landes war ursprünglich, sämtliche Notrufe aus ganz Tirol ab diesem Zeitpunkt über die zentrale Leitstelle in Innsbruck abzuwickeln, ebenso die Einteilung und Koordination der verschiedenen Rettungsdienste, die dann zum Einsatz ausrücken.

Doch in Osttirol regte sich massiver Widerstand. Von „Drüberfahren“ und „Zentralisierung“ war die Rede. Das Rote Kreuz mit Bezirksstellenleiter Egon Kleinlercher fürchtete um die Qualität der medizinischen Versorgung und die Motivation der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Auch die Osttiroler Landtagsabgeordneten Elisabeth­ Blanik (SP), Gerald­ Hauser (FP) und Andreas Köll (VP) protestierten­ lautstark gegen den Anschluss und die Vernichtung von Arbeits­plätzen in Lienz. Der zuständige Landesrat, LHStv. Anton Steixner, verteidigte hingegen die zentrale Lösung. Die Disponenten in Innsbruck seien so gut in ihrem Job, dass die Notfall-Versorgung in Osttirol davon nur profitieren könne.

Gestritten wird seit Februar, nun ist eine Kompromisslösung gefunden: Lienz wird zwar an Innsbruck angeschlossen, mutiert jedoch gleichzeitig zur Außenstelle der zentralen Tiroler Einrichtung und behält drei Vollzeit-Mitarbeiter vor Ort. „Ab Ende November ist die Leitstelle Tirol für die Entgegennahme der Notrufnummer 144 im gesamten Bundesland zuständig“, erklärt Steixner dazu in einer Aussendung. Allerdings mit Vorbehalt: Anrufe aus Osttirol oder Oberkärnten werden vom Telefonsystem automatisch zuerst nach Lienz­ geleitet. Ausgenommen ist die Zeit von 20 Uhr bis 6 Uhr Früh sowie das Wochenende und Feiertage. Da ist die Außen­stelle Lienz nicht besetzt. „Um diese Priorität zu erreichen, hat es lange Verhandlungen gegeben“, sagt der Lienzer Rotkreuz-Geschäftsführer Andreas Stotter. Zurzeit werken noch sechs Notfall- und Krankentransport-Disponenten in Lienz, drei davon können bleiben und werden auf das Innsbrucker System eingeschult. „Die anderen werden bei uns im Rettungsdienst eingesetzt werden“, meint Stotter. Er ist sehr zufrieden mit dem erzielten Kompromiss: „Das ist wesentlich mehr, als wir erwarten konnten.“ Auch Bezirksstellenleiter Kleinlercher ist guter Dinge: „Wir freuen uns, dass es gelungen ist, für Osttirol und Ober­kärnten diese individuelle, gute Außenstellen­lösung aufzubauen.“ Auch die Politik meldet sich zu Wort: „Der Kampf um die Leitstelle hat sich gelohnt“, meint LA Blanik, zugleich Bürgermeisterin von Lienz. Sie bedankt sich bei den „standhaften Funktionären der Rotkreuz-Bezirksstelle“.

Stichtermin für die Umstellung ist der 30. November, 19 Uhr. Bis dahin müssen die Räumlichkeiten im Lienzer Rotkreuz-Haus noch adaptiert und zur Außenstelle umgestaltet werden, sagt Martin­ Eberharter, Geschäftsführer der Leitstelle Tirol. Lienz dient dann auch als Sicherheitsreserve, falls die Leitstelle in Innsbruck einmal ausfallen sollte.

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