Tiroler entschlüsseln Rätsel des alten Rom

Rom – Ganz Altphilologe war Karlheinz Töchterle bei seinem Besuch im Österreichischen Historischen Institut vor einigen Tagen in Rom. Als er...

Rom –Ganz Altphilologe war Karlheinz Töchterle bei seinem Besuch im Österreichischen Historischen Institut vor einigen Tagen in Rom. Als er unter den auf einem großen Tisch ausgebreiteten Publikationen jene über Reliefs in den Caracallathermen – den antiken römischen Badeanlagen – entdeckt, ist der Minister wieder Wissenschafter und rasch vertieft in ein Fachgespräch mit der Autorin Gunhild Jenewein. Tiroler Experten unter sich, denn Jenewein ist Innsbruckerin. Nach ihrem Studium der Archäologie war sie für ihre Dissertation nach Rom gegangen und geblieben. 1987 erhielt sie eine feste Stelle am Institut, an eine Rückkehr nach Österreich denkt sie nicht: „Als Archäologe lebt man hier in Rom schließlich wie die Made im Speck.“

Das ist auch der Grund, warum so viele Nationen Forschungsinstitute in Rom unterhalten. Mit ihnen arbeitet die 1881 gegründete österreichische Einrichtung eng zusammen. Da der Standort zugleich Österreichisches Kulturforum ist, genießt das Institut einige Vorzüge, die sonst nur diplomatischen Vertretungen zuteilwerden. Es erhalte Budget und Personal daher weiterhin vom Wissenschaftsministerium, werde seit Jänner dieses Jahres aber von der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) administriert, erklärt ÖHI-Direktor Richard Bösel.

Jedes Jahr vergibt das Institut 36 Stipendien an den geisteswissenschaftlichen Nachwuchs. Dazu gehört Claudia Sojer. Die 32-jährige Kitzbühelerin studierte in Bologna und Rom Archivistik und Buchwissenschaften und dissertiert derzeit über die vatikanische Missionsarbeit im griechischen Orient im 17. Jahrhundert. Als Grundlage dafür dienen ihr u. a. „auch durchaus amüsante Briefe“ der Missionare, erzählt Sojer. „Darin bitten sie etwa, nach Hause kommen zu dürfen, weil sie von seltsamen Ungläubigen umgeben seien.“ Den gleichen Wunsch wie die Missionare – wenn auch anderer Motive wegen – hat inzwischen auch Sojer. Sie möchte ihre Laufbahn in der Heimat fortsetzen. Ihr Traum ist es, an der Uni Innsbruck unterzukommen. Beworben hat sie sich bereits, eine Entscheidung könnte schon demnächst fallen. Angst davor, bald wieder an Fernweh zu leiden, hat Sojer nicht: Die Internationalität an der Innsbrucker Uni würde sie das leicht vergessen machen. (sta)

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