Zeitgemäßes Lesen
Leseförderung kann erfolgreich sein. Das zeigen Projekte wie die von Genoveva Kahr-Graf. Lesepädagogen überlegen eine Plattform.
Von Sabine Strobl
Innsbruck –Wenn sich 14-jährige Burschen mit Handschlag bedanken, weiß die Bibliothekarin Genoveva Kahr-Graf, dass sie auf dem richtigen Dampfer fährt. Fast jeden Tag steht die Lesepädagogin in einer der 500 Tiroler Schulen, egal, ob im Pitztal oder in Osttirol. Im Gepäck hat sie einen Erlebnispark aus Büchern. Etwa 15.000 Euro stehen ihr für „Lies weiter“, der 2004 eingerichteten Servicestelle für Lesepädagogik des Landes zur Verfügung. Sie diskutiert mit Schülern über den Reiz von Mail, SMS und des Briefes oder den Unterschied von Comics und Graphic Novels.
Das Konzept von Genoveva Kahr-Graf? Gründlichste Vorbereitung, in die Schulen gehen, vom Buch ins Leben führen, die Schüler das Ergebnis, ob CD oder Bühnenauftritt, präsentieren lassen und „immer eine Überraschung bereithalten“, sagt Kahr-Graf der TT. Derzeit treffen mehr Anfragen von Schulen ein, als bewältigt werden können.
Über zehn größere Projekte stehen in den kommenden Monaten an. Darunter ist auch am 19. November in der Stadtbücherei ein Vorlese-Workshop für Großeltern. Denn mit dem Vorlesen beginnt bekanntlich das Lesen. Ebenfalls im November startet das Projekt „Wer bist du?“, in dem Schülerinnen und Schüler Menschen mit verschiedenen Kulturen kennen lernen. Für Volksschüler ist ein Treffen mit Kinderbuchautor Heinz Janisch und Illustratorin Helga Bansch geplant.
Wie andere Lesepädagogen ist sie davon überzeugt, dass die Initiativen bei Volksschülern fruchten. Je älter die Kinder mit Leseschwächen werden, desto schwieriger wird jedoch das Aufholen. Jeder zweite Jugendliche in Österreich liest nur, wenn er muss. Dies ist nur ein unerfreuliches Ergebnis der letzten PISA-Studie. Seitdem stehen Lesekompetenzen an oberster Stelle. Heuer, bestätigt Landesrätin Beate Palfrader, hat das Land für Schulbibliotheken und Leseförderung 960.000 Euro bereitgestellt.
Auch Kahr-Graf geben manche Entwicklungen zu denken. 40 Prozent der Tafelklassler würden kaum noch Märchen kennen. Andererseits wurde die Bibliothekarin schon von Kindern überrascht, die aus dem Internet Gedichte wie den „Erlkönig“ auswendig gelernt haben.
Leseförderung dieser Art ist in Österreich „fast Pilotprojekt“, sagt Kahr-Graf. In der Steiermark läuft etwa eine Initiative, in deren Rahmen Schulen in Büchereien gehen. Im Verband der österreichischen Bibliotheken ist eine landesweite Plattform für Lesepädagogen angedacht. Ein Treffen soll im Jänner stattfinden.