Puerto Ricaner stimmen am Dienstag über ihre Zukunft ab

Alle Umfragen deuten auf eine Mehrheit für die derzeitige Staatsform als US-amerikanisches Außengebiet hin. Die Unabhängigkeit will kaum jemand.

San Juan –Im Schatten der international von breiter Berichterstattung begleiteten US-Präsidentschaftswahlen findet nächsten Dienstag im US-Außengebiet Puerto­ Rico ein Referendum über den künftigen politischen Status der Karibikinsel statt. Dieser wird sich Experten zufolge aber wohl nicht ändern. Aktuelle Umfragen zu dem Votum, das auch zeitgleich mit der Wahl von Gouverneur, Abgeordneten, Bürgermeistern und dem Vertreter Puerto Ricos­ im US-Kongress­ („Resident Commissioner“­) stattfindet­, deuten nämlich auf eine Mehrheit für die bestehende Staatsform hin. Schon in den Jahren 1967, 1993 und 1998 fanden Plebiszite zum Status statt, die alle keine Veränderung brachten.

Lokale Analysten erklären die erwartete Unterstützung für den Status quo laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE einerseits mit der Sorge eines Teils der Bevölkerung um die „nationale Identität“, sollte die Karibikinsel voll und ganz Teil der Vereinigten Staaten werden. Andererseits fürchte man im Falle einer Unabhängigkeit um die Mittel aus Washington.

Puerto Rico, das 1898 im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges von Spanien an die USA übergeben wurde, ist ein US-Commonwealth. Staatsoberhaupt ist US-Präsident Barack Obama, Regierungschef Gouverneur Luis Fortuno. Wie Obama stellt sich auch Fortuno am kommenden Dienstag der Wiederwahl.

Allerdings können die Bürger der Insel nicht an beiden Urnengängen teilnehmen: Zwar verfügen Puerto Ricaner über die US-Staatsbürgerschaft. Sie sind jedoch lediglich bei den Vorwahlen von Demokraten und Republikanern, nicht aber bei den Präsidentschaftswahlen selbst stimmberechtigt.

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Bei dem Referendum am 6. November werden zwei Fragen gestellt. Bei der ersten mit Ja oder Nein zu beantwortenden Frage geht es darum, ob der Status quo beibehalten werden soll. Die zweite Frage bietet drei Alternativen zur Auswahl: dass Puerto Rico künftig ein vollwertiger US-Staat ist („Estadidad“), dass es unabhängig wird („Independencia“) oder ein souveräner Freistaat ist („Estado Libre Asociado Soberano“).

In einer Umfrage, welche die puerto-ricanische Tageszeitung El Nuevo Día vor Kurzem veröffentlichte, sprachen sich 51 Prozent für und 39 Prozent gegen eine Beibehaltung des momentanen Status aus. Bei Frage zwei befürworteten 44 Prozent eine Zukunft von Puerto Rico als US-Staat. 42 Prozent bevorzugten die Option eines souveränen Freistaats. Eine Befragung für Telemundo Puerto Rico ergab mit 55 Prozent für und 36 Prozent gegen den Status quo ein ähnliches Bild. Auch hier war die Zukunft als vollwertiger US-Staat die beliebteste genannte Alternative. Der derzeitige Vertreter Puerto­ Ricos im US-Repräsentantenhaus, der Demokrat Pedro Pierluisi­, bezeichnete das Statusvotum als „historisch“. Er argumentierte, dass es sich um das erste­ derartige Referendum handle, das nur machbare Optionen beinhalte und das Votum von der Bundesregierung ernst genommen werde.

Beide Kandidaten für die US-Präsidentschaft haben in der Vergangenheit Unterstützung für das Referendum bekundet. Amtsinhaber Obama sagte­ während eines Besuchs in Puerto Rico im Juni des Vorjahres, er werde jede Wahl unterstützen, welche die Puerto Ricaner träfen. Sein republikanischer Heraus­forderer Mitt Romney erklärte im Jänner, wenn sich die Puerto Ricaner dafür entscheiden sollten, ein US-Staat werden zu wollen, werde er ihnen dabei helfen.

„Wir werden die Hispanos anführen, wenn wir Teil der USA sind“, argumentierte Gouverneur Fortuno, ein Republikaner, jüngst bei einer Wahlkampfveranstaltung. Die Puerto Ricaner stellen die zweitgrößte Gruppe von Latinos in den USA.

Laut einem im Juni veröffentlichten Bericht des Pew Hispanic Center lebten im Jahr 2010 in den 50 US-Staaten plus District of Columbia geschätzte 4,7 Millionen Hispanics puerto-ricanischer Herkunft. Puerto Rico­ selbst hat 3,7 Millionen Einwohner. (APA)


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