Gesellschaft

Heroin und Kokain in Europa auf dem Rückzug

Laut dem aktuellen Jahresbericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) gebe es „in Teilen Europas“ Anzeichen, wonach weniger neue Heroinkonsumenten nachkämen. Auch bei Kokain gibt es einen Abwärtstrend.

Lissabon – Im vergangenen Monat haben schätzungsweise zwölf Millionen Europäer Cannabis konsumiert, 1,5 Millionen Menschen Kokain. 1,4 Millionen Menschen haben problematischen Opiatkonsum (zumeist Heroin), 700.000 sind in Substitutionstherapie. Das sind Hauptpunkte aus dem aktuellen Jahresbericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) in Lissabon, der am Donnerstag in Lissabon präsentiert wurde.

Zumindest einmal in ihrem Leben haben bereits 80,5 Millionen (23,7 Prozent) der europäischen Erwachsenen Cannabis benutzt. Eine von drei Personen hat Cannabiserfahrung (je nach Staat zwischen 0,3 und 14,3 Prozent). Konsum während der vergangenen zwölf Monate hatten etwa 23 Millionen Menschen (6,8 Prozent der Erwachsenen).

Kokain sei eher auf dem Rückzug, so die EBDD. Die nackten Daten: Etwa 15,5 Millionen (4,6 Prozent der europäischen Erwachsenen) haben mindestens einmal in ihrem Leben diese Droge konsumiert. Konsum während der vergangenen zwölf Monate hatten etwa vier Millionen Erwachsene (1,2 Prozent. Der Drogenbericht legt nahe, dass Kokain sein Image als Statusdroge verliert.

Ähnlich ist die Situation bei Heroin. In einigen Ländern wurde es auch durch andere Substanzen verdrängt, so unter anderem durch synthetische Opioide wie Fentanyl und Buprenorphin (ehemals in Österreich als „erste Wahl“ propagierte Substitutionsdroge, Anm.).

Positiv ist die Entwicklung bei den Todesfällen nach Gebrauch von illegalen Drogen. Die EBDD in ihrem aktuellen Report: „Die jüngsten Schätzungen geben für das Jahr 2010 rund 7.000 Überdosierungen oder drogeninduzierte Todesfälle in den EU-Mitgliedsstaaten und in Norwegen an, was im Vergleich zu den über 7.600 gemeldeten Fällen im Vorjahr auf eine Abnahme hinweist.“

Die Abnahme der Todesfälle durch Suchtgiftkonsum könnte auch mit der besseren Betreuung speziell der Opioid-Abhängigen durch die Substitutionstherapie in Verbindung stehen. Im Jahr 2010 waren in der EU, in Kroatien, der Türkei und Norwegen bereits 709.000 Personen in dieser Behandlung mit Methadon etc. (EU: 698.000 Patienten). Die EBDD: „Der deutlichste Anstieg war in Griechenland, Österreich (mittlerweile fast 17.000 Patienten, Anm.) und Finnland zu verzeichnen.“ (APA)