Israel zu kurzer Feuerpause bereit
Zumindest für drei Stunden können die Bewohner des Gazastreifens am Freitag durchatmen. Israel ist nämlich zu einer Waffenruhe während des Besuchs des ägyptischen Regierungschefs Hischam Kandil bereit.
Tel Aviv, Gaza - Der ägyptische Regierungschef Hisham Kandil ist zu einem Besuch im seit zwei Tagen von israelischen Luftangriffen erschütterten Gazastreifen eingetroffen. Das verlautete am Freitagmorgen aus palästinensischen Sicherheitskreisen. Zuvor hatte sich Israel zu einer Waffenruhe bereit erklärt.
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu habe auf Bitten Ägyptens eingewilligt, die Angriffe auf den Gazastreifen während Kandils Besuch auszusetzen, sagte ein israelischer Regierungsvertreter. Bedingung für die Feuerpause sei, dass auch die militanten Palästinenser die Raketenangriffe auf Israel einstellten.
Gewalt in Nahost hielt in der Nacht auf Freitag weiter an
Die Gewalt zwischen Israel und radikalen Palästinensern hatte auch in der Nacht zum Freitag angehalten. Die israelische Luftwaffe flog nach palästinensischen Angaben rund 130 Angriffe auf den Gazastreifen, darunter mehrere auf Gaza-Stadt. Dabei wurde ein Gebäude des Innenministeriums der radikalislamischen Hamas zerstört. Seit Beginn des israelischen Militäreinsatzes „Pfeiler der Verteidigung“ am Mittwochnachmittag wurden nach palästinensischen Angaben 19 Palästinenser getötet und 235 weitere verletzt.
Die israelische Armee gab die Zahl der Luftangriffe bis Freitagmorgen mit 466 an. In den vergangenen zwei Tagen hätten militante Palästinenser rund 280 Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, von denen 131 abgefangen worden seien. Die neue Luft-Offensive soll nach israelischen Angaben den weiteren Raketen-Beschuss aus dem Gazastreifen verhindern.Insgesamt bereits mehr als 20 Tote
Bei einem israelischen Luftangriff auf den nördlichen Gazastreifen starben am Donnerstagabend nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan drei Palästinenser. Die Zahl der Todesopfer der israelischen Luftangriffe unter den Palästinensern habe sich damit auf 19 erhöht, hieß es unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. In Israel kamen bei einem Raketenangriff drei Menschen ums Leben.
Die israelischen Streitkräfte erklärten, über dem Gazastreifen seien am Donnerstag Flugblätter abgeworfen worden. Darin werde die Bevölkerung aufgefordert, sich von der Hamas und anderen Terrororganisationen fernzuhalten.
Erstmals seit dem Golfkrieg 1991, als der Irak Scud-Raketen auf Israel abschoss, heulten am Donnerstag die Luftalarm-Sirenen in Tel Aviv. Zugleich war eine dumpfe, laute Explosion zu hören. Nach Medienberichten ging eine Gaza-Rakete im Mittelmeer nieder.
Palästinensischer Präsident Abbas brach Europa-Reise ab
Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas brach seine Europa-Reise ab und kehrte ins Westjordanland zurück. Die Vereinten Nationen und viele Regierungen weltweit warnten vor einer Verschärfung der Lage.
Israel begann mit der Mobilisierung seiner Reservisten, laut Militär könnten bis zu 30.000 Mann einberufen werden. Berichte über eine angeblich schon begonnene Bodenoffensive im Gazastreifen wurden aber von den Streitkräften und dem Außenministerium dementiert. Allerdings würden Soldaten in die Region verlegt, um für einen Einmarsch bereit zu stehen, sollte der Befehl kommen, sagte ein ranghoher Beamter in Tel Aviv.
Im Gazastreifen bekannten sich der bewaffnete Arm der dort herrschenden radikal-islamischen Hamas, die Qassam-Brigaden, und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Jihad zu dem Raketenangriff auf Tel Aviv. Zwei Raketen vom iranischen Typ Fajr-5 seien bei Rishon Lezion und in Jaffa eingeschlagen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation, deren Kommandant am Vortag von Israel getötet worden war.
Einen Tag nach der gezielten Tötung des Hamas-Militärchefs versammelten sich in Gaza Tausende Palästinenser, um Ahmed al-Jabari das letzte Geleit zu geben. Der militärische Arm der Hamas im Gazastreifen bezeichnete dessen Tötung durch die israelische Luftwaffe als „Kriegserklärung“ und kündigte blutige Rache an.
Muslimbruderschaft rief den Freitag zum Tag des Zorns aus
Die Muslimbruderschaft in Ägypten, aus der auch Präsident Mohammed Mursi stammt, rief den Freitag zum Tag des Zorns in den Hauptstädten der arabischen Länder aus. Hamas-Chef Ismail Haniyeh hat Ägypten zu mehr Hilfe für die Palästinenser aufgefordert. Die USA riefen Länder wie Ägypten oder die Türkei auf, ihren Einfluss auf die Hamas geltend zu machen, um so zu einer Deeskalation der Lage beizutragen.
Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen worden war. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden. (APA/dpa/Reuters)
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