Rechtsrock und Regimekritik
Das 12. Polit-Film-Festival Innsbruck zeigt Dokumentarfilme über eine Welt zwischen Aufbruchstimmung und Zukunftsangst.
Innsbruck –Nachdem im vergangenen Jahr unter dem Motto „Tarnen und Täuschen“ vor allem die Anfänge und Auswüchse der weltweiten Finanzkrise auf der Leinwand behandelt wurden, steht bei der diesjährigen, insgesamt 12. Auflage des Polit-Film-Festivals Allgemeineres zur Diskussion. Zum Thema „Umbruch und Status quo“ werden von 3. bis 7. Dezember fünf Filme gezeigt, die – so Festival-Macher Josef Wolf gegenüber der TT – „das permanente Spannungsfeld zwischen notwendigem und gefordertem Reagieren auf gesellschaftliche Entwicklungen und die Angst vor Veränderungen“ beleuchten.
Den Auftakt macht der deutsche Dokumentarfilm „Blut muss fließen“ von Peter Ohlendorf. Ohlendorf hat den Journalisten Thomas Kuban, der undercover im rechtsradikalen Milieu recherchiert, mit seiner Kamera begleitet. Schon lange bevor sich die Ereignisse nach der Entdeckung der Zwickauer Terrorzelle überschlugen, hat Kuban, der sich aus Angst vor Racheakten hinter einem Pseudonym versteckt, vor der schleichenden Unterwanderung staatlicher Verfasstheit durch Rechtsradikale, die Jugendliche oft mit Rüpel-Rock und Nazi-Reggae ködern, gewarnt. Im zweiten Film des Festivals, „Grenzfälle“ von Kurt Langbein, zieht es den Schriftsteller Robert Menasse an Grenzen von Staaten, Sprachen und Kulturen – und zu Menschen, die diese Grenzen überwinden.
Der Stummfilm „Die unglaublichen Abenteuer des Mister West im Lande der Bolschewiki“ von Lev Kulesov setzte sich schon 1924 mit Klischeevorstellungen fremder Lebensentwürfe und der Art, wie diese Vorstellungen in filmisch verankert wurden, auseinander. Der Klassiker wird am dritten Festivaltag gezeigt und vom Kino-Glaz-Ensemble musikalisch begleitet.
Regisseur Andreas Dresen rückt in „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“ den unspektakulären Alltag eines politischen Hinterbänklers in den Mittelpunkt eines Dokumentarfilms und zeichnet so die Entwicklung des politischen Diskurses nach, der auch im Kleinen von großen Gesten und leeren Worthülsen bestimmt scheint.
Und im Zentrum von Alyson Klaymans Doku „Ai Wei Wei: Never sorry“ stehen Leben und Werk des im Westen populären chinesischen Künstlers und Regimekritikers Ai Wei Wei. (jole)