Imposanter Aufstieg im ewigen Eis
Die Stubaier Gletscherbahn wird heuer 40. Sie bescherte dem Stubaital eine beeindruckende Entwicklung als Tourismusdestination. Das Jubiläum wird am Freitag mit zwei neuen Anlagen gefeiert.
Von Christoph Mair
Neustift –Alles begann mit einem Blick: Ende der Sechzigerjahre richtete ihn Seilbahnpionier Heinrich Klier von der Bergstation des eben erst gebauten Glungezer, der öfter unter Schneearmut litt, auf die Stubaier Gletscher.
Doch die erste Etappe bei der Erschließung der Eisriesen war keine Seilbahn, zunächst musste das hinterste Stubaital mit einer Straße erschlossen werden. 27 Lawinenstriche standen dem Abenteuer entgegen und so mancher Vorbehalt im Tal. Am Gasthaustisch habe es geheißen: „Lasst‘s ihn die Straße nur bauen, nachher isch er eh pleite. Und die Straße wollten wir eh schon lang“, erinnert sich Heinrich Klier.
Doch der heute 86-Jährige stieg weiter. Mit überzeugten Geldgebern sei der Start mit 60 Millionen Schilling (4,3 Mio. Euro) geglückt, erzählt Klier. Vor genau vierzig Jahren, im Herbst 1972, wurde mit dem Bau der Zweiseilumlaufbahn begonnen. Bis heute seien 209 Mio. Euro in den Ausbau des Stubaier Gletschers geflossen. „Wir haben dabei keinen Schilling an öffentlichen Geldern verbuttert“, fügt Klier hinzu. Die Gletscherbahn bezeichnet Klier, der als Buchautor, Südtirol-Aktivist und Unternehmer Bekanntheit erlangte, als „Höhepunkt meiner Arbeit“. Heute erklimmen jährlich rund 1,1 Millionen Wintersportler mit einer der 26 Aufstiegshilfen Österreichs größtes Gletscherskigebiet. Der Weg dorthin kannte auch Rückschläge. Darunter das deutsche Sonntagsfahrverbot, das gleich nach Eröffnung Kunden abhielt, oder der Lawinenwinter 1975 mit einem Monat Dauersperre. Tüchtige Mitarbeiter hätten jedoch zu dem Erfolg beigetragen, der auch das ärmliche Bauerndorf Neustift mit 1600 Einwohnern in die touristische Top-Liga Tirols gehievt habe, sagt Klier: Von 292.000 Gästenächtigungen im Jahr 1970 auf über 1,2 Mio. im Vorjahr. Die Gemeinde Neustift machte Heinrich Klier 2006 für seine Verdienste zum Ehrenbürger, eine Auszeichnung, die ihm warm ums Herz werden ließ, gestand der Gletscher-Pionier mehrmals stolz. 2011 begann eine neue Ära. Heinrich Klier trat nach 43 Jahren an der Spitze der Wintersport Tirol AG, dem Firmendach über Gletscher und Sporthandel, in die zweite Reihe zurück. Sohn Reinhard (32) führt jetzt das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von knapp 46 Mio. Euro und 411 Mitarbeitern. Die ersten Projekte unter seiner Verantwortung, die neue Achtersesselbahn Rotadl und die Daunjochbahn sowie die Kapelle am Schaufeljoch, werden bei den Jubiläumsfeiern diesen Freitag eröffnet. 12 Mio. Euro wurden investiert. Die Zukunft des Gletscherskigebietes sieht Reinhard Klier gesichert, trotz Gletscherschmelze. „Selbst wenn es bei uns im Jahr 2100 keine größeren Gletscher mehr geben sollte, werden wir aufgrund der Höhenlage immer noch den meisten Schnee haben“, ist Reinhard Klier überzeugt. Der zurückgehende Permafrost erhöhe allerdings den Instandhaltungsaufwand.
Erweiterungen seien am Gletscher kaum noch möglich. Doch zu tun bleibe genug, sagt Klier, steht in den nächsten Jahren doch der Ersatz der Eisgrat-Zubringerbahn an. Mit einer windstabilen Dreiseil-Umlaufbahn sollen Sturmsperrtage der Vergangenheit angehören.