Meteorologe zweifelt Windpotenzial in Anras an
Gleich starker Wind wie auf 3500 Metern – das kann sich Werner Troger schwer vorstellen. Projektant bleibt bei Wirtschaftlichkeit.
Von Catharina Oblasser
Anras, Lienz –Das Schweizer Jungfraujoch ist mit 3500 Metern Seehöhe die höchstgelegene Wetterstation der Alpen. Der Lienzer Meteorologe Werner Troger nahm die Windmessungen dort genauer unter die Lupe. „Seit 2009 weht der Wind im Jahresdurchschnitt dort mit 5,9 bis 6,2 Metern pro Sekunde. 2008 waren es sogar nur 5 Meter pro Sekunde“, so Troger.
Eben deshalb ist er skeptisch gegenüber dem geplanten Windpark in Anras, den der Grazer Helmut Fink am Dorfberg errichten will. Denn Fink beziffert die dortigen Windgeschwindigkeiten mit 6 bis 10 Metern pro Sekunde. Allerdings soll die Anlage auf einer Seehöhe von nur 1900 Metern gebaut werden – und je tiefer die Lage, desto schwächer der Wind. Das lässt sich auch aus einem Atlas im Internet ablesen, der auf Hochrechnungen basiert. „Die höchsten Geschwindigkeiten werden in den Tauern gemessen“, so Troger. „Meteorologisch gesehen, kann ich mir die 6 bis 10 Meter pro Sekunde am Dorfberg schwer vorstellen.“ Realistischer wären für den Experten mit 14-jähriger Berufserfahrung 4 bis 8 Meter pro Sekunde.
Was nach einem geringen Unterschied klingt, sorgt bei Windkraftwerken jedoch für gewaltige Differenzen. Das hat mit dem Energieausbeute zu tun. „Wenn die Windgeschwindigkeit auf die Hälfte sinkt, dann sinkt der Ertrag nicht ebenfalls auf die Hälfte, sondern auf nur noch ein Achtel“, nennt Troger die Achillesferse der Technologie. Dabei ist der Meteorologe, der selbst in Anras lebt, der neuen Energieform nicht abgeneigt. „Ich würde auch selbst Anteile an der Windpark-Gesellschaft zeichnen“, meint er. „Doch dazu müsste ich die genauen Messwerte vom Dorfberg kennen.“
Keine Zweifel hat hingegen Helmut Fink, der Projektbetreiber aus Graz. „Der Wind ist stark genug, um die Anlage wirtschaftlich betreiben zu können“, meint er im Gespräch mit der TT. Diese Gewissheit geben ihm die Messungen, die über ein ganzes Jahr am geplanten Standort in Anras und an einem Referenzstandort gemacht worden seien. „Das war am Stronachkogel, der ist um 200 Meter niedriger.“ Fink beruft sich auf Erhebungen des Landes Steiermark, die zum Ziel hatten, Windgebiete ausfindig zu machen. „Es hat sich ergeben, dass man auf 1400 Meter Seehöhe oder höher hinauf muss, damit ein Kraftwerk sinnvoll ist.“ Der vorgesehene Standort in Anras liege auf 1900 Metern, so Fink. „Dort haben wir Windgeschwindigkeiten von sechs bis zehn Metern pro Sekunde gemessen – und zwar im Jahresdurchschnitt.“