Das Foto sagt mehr als 1000 Worte

Auch wenn international anonyme Bewerbungen stark im Kommen sind, legen die Unternehmen im deutschsprachigen Raum nach wie vor Wert auf ein aussagekräftiges Poträtfoto der Bewerber.

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V. l.: Fotograf Albert Bloch zeigt gute Bewerbungsfotos in Farbe oder Schwarz-Weiß. Ein Automatenfoto (r.) ist nicht zu empfehlen.Fotos: Albert Bloch (3), PantherStock

Von Barbara Egger

Innsbruck –Für ein Praktikum beim Tiroler Landestheater soll die Leutascherin Antonia Neuner ihre Bewerbungsunterlagen abgeben. Auch der Bitte nach einem Bewerbungsfoto kommt die 16-Jährige gerne nach. „Es war für mich klar, dass ich ein professionelles Bewerbungsfoto machen lasse“, meint Neuner und wendet sich an einen Fotografenmeister. Damit hat die junge Leutascherin genau das getan, wozu auch Experten raten würden.

„Viele Jobsuchende wissen nicht, dass die meisten Recruiter nur wenig Zeit haben und sich nur die qualifizierten Bewerbungen genau ansehen“, sagt Sabine Graf, Gründerin von Human Focus Personalmanagement. „Wer bei der Vorselektion unter Hunderten von Bewerbungsunterlagen auf den ersten Blick nicht überzeugt, bekommt keine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch und hat somit die Chance auf den Job verspielt“, erklärt die Expertin. Daher lohne es sich, in ein gutes Bewerbungsfoto zu investieren: „Das vermittelt auf den ersten Blick Jobkompetenz und das Gefühl, dass der Bewerber gut zum Unternehmen passt.“

Wie das perfekte Bewerbungsfoto aussehen sollte, beschreibt der Seefelder Fotograf Albert Bloch: „Bewerbungsfotos wirken oftmals so, als würden sie aus dem Automaten kommen, kaum eines genügt professionellen Ansprüchen.“ Noch schlimmer als die Qualität sei aber der Eindruck, den man damit bei Personalverantwortlichen hinterlasse. „Viele denken sich nämlich, dass der Job wohl nicht so wichtig ist, sonst hätte man ein vernünftiges Foto machen lassen.“

Ebenso wie Antonia Neuner hat auch Rosaria Marigliano aus Seefeld auf ein Automatenfoto verzichtet. „Ich habe ein Kunstgeschichtestudium absolviert, bin ausgebildete Bühnenbildnerin und bin auf der Suche nach einer adäquaten Stelle. Dafür benötige ich ein perfektes Bewerbungsfoto“, erklärt die ehemalige Mitarbeiterin des inzwischen geschlossenen italienischen Kulturinstitutes. „Man sollte tatsächlich nicht auf das perfekte Bewerbungsfoto vergessen“, bestätigt Albert Bloch. „Bei einem Date ist es selbstverständlich, dass man den potenziellen Partner oder die Partnerin beeindrucken möchte“, erklärt der Fotograf: „Man verbringt viel Zeit damit, sich für den Termin zurechtzumachen, nicht selbstverständlich scheint es hingegen für viele Bewerber zu sein, einen guten Eindruck hinterlassen zu wollen.“ Bei einem guten Bewerbungsfoto setzt Bloch voraus, „dass der Fotograf sein Handwerk versteht“. Er sollte in der Lage sein, Bewerbungsfotos anzufertigen, die gute Hauttöne aufweisen und richtig scharf gezeichnet sind. Außerdem sollte der Bewerber gut beleuchtet sein. Bloch selbst befragt seine Kunden stets, wofür sie sich bewerben möchten. „Jemanden, der sich für einen Job in der Bank bewirbt, setze ich anders in Szene, als jemanden, der Kinderanimateur werden möchte.“ Bloch rät dazu, zu den Shootings zwei bis drei Outfits mitzubringen. „Ich komme auch zu den Bewerbern ins Haus. Da ist die Situation meist entspannter und wir können in aller Ruhe gemeinsam die verschiedenen Outfits zusammenstellen.“

Personalmanagerin Sabine Graf hat in mehr als 20 Jahren Berufserfahrung Tausende Bewerbungen gesichtet. Sie weiß: „Es ist nicht einfach, in wenigen Sekunden zu überzeugen, genau richtig für den Job zu sein. Aber ein aussagekräftiges Foto hilft, schnell einen Eindruck von sich selbst zu vermitteln.“ Graf rät dazu, Stärken wie „offen und kommunikativ“ über das Foto zu vermitteln. „Das geschieht durch ein Lächeln, einen direkten Blick in die Kamera und eine offene Körperhaltung.“ Ein Top-Foto erzeuge den Impuls, mehr von der Person erfahren zu wollen. „Fotos im Hochzeitsanzug oder Urlaubsfotos sind kontraproduktiv, denn die stehen selten in Bezug zur Jobkompetenz.“ Wichtig sei auch, dass das Foto aktuell ist und man den Bewerber beim persönlichen Gespräch wiedererkennt. Kostüm oder Anzug seien der richtige Dresscode einer Bank, jedoch nicht passend für ein Unternehmen im Outdoorbereich, erklärt sie.

„Bei Top-Bewerbungen finden Sie immer ein gutes Bewerbungsfoto. Man merkt, dass sich der Bewerber mit Inhalt und Design viel Mühe gegeben haben.“ Bei Bewerbungen ohne Foto frage sich jeder insgeheim, wer ist diese Person, wie sieht sie aus? Schließlich will jeder wissen, mit wem man vielleicht zukünftig zusammenarbeiten wird und wem man acht Stunden am Tag gegenübersitzt.


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