Lawine und Hochwasser als Wahlmotiv
In Pfafflar weiß man, warum 86 % für die Wehrpflicht stimmten, in Hart bleibt das Berufsheer-Ja ein Rätsel.
Pfafflar, Tobadill, Kaunertal, Hart, Rohrberg –Bürgermeister Bernd Huber in Pfafflar, das in einem Seitental des Lechtals liegt, ist nicht verwundert, dass das Ergebnis in seinem Ort – 86 Prozent stimmten für die Wehrpflicht – so eindeutig ausgefallen ist. „1984 und 2005 waren Soldaten des Bundesheers nach Katastrophen bei uns und haben uns sehr geholfen. Einmal Lawine, das andere mal Hochwasser. Da gab es genug aufzuräumen“, erläutert der Dorfchef der Kleingemeinde mit nur 125 Einwohnern. „A arme Sau wäre jeder Betroffene gewesen, wenn die Soldaten nicht geholfen hätten. Einmal waren mehr als 60 Mann mehrer Tage im Ort“, weiß Huber. Pfafflar war bei Wahlen immer wieder auch ÖVP-Hochburg. Aber mit einer parteipolitischen Entscheidung habe das sicher nichts zu tun gehabt, meint Huber: „Es ist nur um die Sache gegangen. Die ÖVP ist hier auch nicht mehr so beliebt wie früher.“
Auch im Kaunertal dürfte der Katastrophenschutz ausschlaggebend gewesen sein, glaubt Bürgermeister Pepi Raich. Das Ergebnis dort: Fast 85 Prozent stimmten am Sonntag für die Beibehaltung der Wehrpflicht.
Getoppt wurde dieses Ergebnis nur von Tobadill: „Es gab weder eine Kampagne noch Flugzettel“, versichert Bürgermeister Franz Kathrein etwas ratlos aufgrund der Zahlen. In der 500-Seelen-Gemeinde nahe Landeck fiel das Votum mit über 85 Prozent für die Wehrpflicht besonders eindeutig aus. „Wir hatten in den letzten 20 Jahren nie einen Einsatz des Bundesheers in der Gemeinde“, berichtet er. Bei Murenabgängen war stets die Feuerwehr vor Ort. „Ich bin sehr gespalten in meiner Meinung und habe gerade noch dafür gestimmt. Beim Bundesheer hat sich seit 40 Jahren nichts getan“, weiß der Vater eines wehrpflichtigen Sohnes. Es brauche dringend Reformen.
In Hart im Zillertal wird das Ergebnis vom Sonntag – 50,5 Prozent stimmten für das Berufsheer – auch am Montag am Stammtisch diskutiert. „Ich war beim Militär, aber wir haben nur Blödsinn gelernt – das war wirklich völlig umsonst“, sagt Josef Höllwarth, der deshalb auch für das Berufsheer gestimmt hat. Sein Freund Anton Seekircher ist gar nicht wählen gegangen: „Ich habe aber nette Erinnerungen von der Zeit beim Heer und bin für die Wehrpflicht.“ Für Bürgermeister Alois Eberharter war das Ergebnis überraschend: „Bei uns in der Gemeinde war das überhaupt nicht das große Thema.“ Aus Gespräche mit Leuten aus der Gemeinde hätte er aber eher getippt, dass auch Hart sich dem Tirol-Trend anschließe und mehrheitlich für die Wehrpflicht stimmt.
Sein Kollege Johann Schreyer aus Rohrberg – in seiner Gemeinde stimmten exakt 71 Personen für das Berufsheer und 71 Personen für die Wehrpflicht – hätte mehr Informationen benötigt: „Die Abstimmung war einfach zu früh.“ (hm, mr, mm)