Game over für Technologie-Pioniere
Mit dem Computerspiele-Pionier Atari hat die Elektronikbranche den nächsten Riesen zu Fall gebracht. Auch Vorreiter wie Grundig, Kodak, Nokia, Sony, Sharp oder Panasonic wurden vom Wandel überrollt.
New York –Die Elektronikbranche hat wieder ein prominentes Opfer gefordert. Mit Spielen wie „Pong“ oder „Asteroids“ hatte Atari in den 80er-Jahren die Spieler der ersten Generation vor den Bildschirmen gefesselt, nun heißt es für den Computerspielepionier Game over. Atari ist pleite. Der Vorreiter bei Spielekonsolen und Heimcomputern hat für sein Geschäft in den USA einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen hat zwar den Konzernsitz in Europa, der Großteil des Atari-Geschäfts liegt aber in den USA. Dort haben jetzt die US-Tochter Atari Inc. und drei weitere Firmen Insolvenz beantragt.
Atari wurde 1972 gegründet und fing mit Spieleautomaten an. Selbst die Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak arbeiteten 1975 kurz bei Atari. In den folgenden Jahren konnte das Unternehmen aber bei Spielekonsolen und Computern nicht mit der Konkurrenz mithalten. Das mehr als 30 Jahre alte Unternehmen will sich nun sanieren und mit mobilen Spielen erneut sein Glück versuchen.
Das rasante Tempo in der Elektronikbranche hat schon etliche Branchenpioniere überrollt. Vor einem Jahr schlitterte die Fotografie-Ikone Kodak in die Pleite. Der US-Kamerakonzern, der 1888 die erste Kamera für Endverbraucher auf den Markt gebracht hatte, musste sich eingestehen, das digitale Zeitalter der Spiegelreflexkameras verpasst zu haben. Der angeschlagene kanadische Smartphone-Pionier und BlackBerry-Hersteller Research In Motion (RIM) wiederum denkt nach einem Jobkahlschlag darüber nach, den Konzern zu zerschlagen. Vieles hängt vom Erfolg des BlackBerry 10 ab, das Ende Jänner auf den Markt kommt.
Selbst die traditionsreichsten Schwergewichte in der Unterhaltungselektronik verloren im globalen Wettbewerb mitunter den Anschluss. TV-Gerätehersteller Grundig, einst Symbol des deutschen Wirtschaftswunders, musste im April 2003 Insolvenz anmelden und wurde zerschlagen.
Auch Handypionier Nokia wäre beinahe von der Entwicklung überrannt worden. Die Finnen hatten den Smartphone-Boom komplett verschlafen. Der fast totgesagte Telekom-Konzern hat nach Jahren des Überlebenskampfes erst kürzlich wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben: Im vierten Quartal 2012 verbuchte Nokia dank seiner Lumia-Smartphones in der Handysparte wieder Gewinn.
Auch bei Japans Elektronikgiganten schrillen die Alarmglocken. Sharp steckt im Überlebenskampf und erwartet im laufenden Geschäftsjahr 4,34 Mrd. Euro Verlust – der zweite Rekordverlust in Folge. Sony wiederum musste im vergangenen Geschäftsjahr 4,7 Mrd. Euro Verlust verdauen und kommt trotz aller Sanierungsbemühungen nicht aus den roten Zahlen. Konkurrent Panasonic hat im abgelaufenen Geschäftsjahr mit einem Minus von 7,5 Mrd. Euro den höchsten Verlust seiner Unternehmensgeschichte verbucht. Die Ratingagentur Fitch hatte Unternehmensanleihen von Sony und Panasonic auf Ramschniveau abgestuft.
Wie schnell den Überfliegern die Flügel gestutzt werden können, hat auch Facebook mit seinem verpatzten Börsegang zu spüren bekommen. Und das weltweit wertvollste Unternehmen Apple ist zwar weit entfernt von einem Untergangsschicksal, aber die schleppende Nachfrage nach dem neuen iPhone 5 hat gezeigt: Wer die Gier nach Markt-sensationen nicht ständig befriedigt, wird schnell bestraft. (TT, APA, Reuters)