Die Beschwörung des Wortes
Elmar Drexel bringt mit „Johanna“ erstmals einen Felicitas-Hoppe-Text auf die Bühne.
Innsbruck –Felicitas Hoppes Roman „Johanna“ ist ein seltsamer Text. Keine 170 Seiten lang schlägt er scheinbar mühelos den Bogen vom tiefsten Mittelalter in akademische Kreise der Gegenwart und denkt vor dieser Folie darüber nach, was es heißt, sich historischer Stoffe anzunehmen und sie fortzuschreiben. In „Johanna“ spielt Hoppes im Jetzt angesiedelte Erzählung einer jungen Akademikerin, die über die Jungfrau von Orleans promoviert, mit dem Johanna-Mythos. Es gibt Parallelen und Abweichungen, spielerische Aneignungen und ironische Brechungen und Passagen, die alles Vorhergehende in Frage stellen. Das mag jetzt alles kompliziert und ungemein sperrig klingen, lesen tut sich „Johanna“ – darin liegt ein Teil der Faszination, die von dem Text ausgeht – leicht. Der auf verschlungenen Erzählwegen wandelnde Text ist nicht nur klug, sondern ungemein witzig. Als „Johanna“ 2006 herauskam, haben Rezensenten häufig aufs Theater zurückgegriffen, um Hoppes Verfahren zu erläutern. Die Autorin setze ihr Anliegen „in Szene“, hieß es. Sie benütze „Kulissen“, erlaube sogar einzelnen Worten „penibel inszenierte Auftritte und Abgänge“.
Auf die Idee, den Text für die Bühne zu adaptieren, kam aber niemand. „Bis jetzt“, sagt Theatermacher Elmar Drexel nicht ohne Stolz. Am Donnerstag hat seine Dramatisierung von „Johanna“ am Innsbrucker Kellertheater Premiere. „Hoppe beschwört das gesprochene Wort in schriftlicher Form“, erklärt Drexel im TT-Gespräch, „und ich versuche ihre Worte jetzt zum Klingen zu bringen.“ Drexel hat Hoppe kennen gelernt, als sie 2006 „writer in residence“ an der Uni Innsbruck war. „In einer E-Mail habe ich vor einiger Zeit ganz dreist über eine Bühnenfassung ihres Textes nachgedacht“, sagt Drexel. Und Hoppe gab ihr Einverständnis. Für Drexel ist „Johanna“ die Erzählung einer scheiternden Liebe, ein Zwei-Personen-Stück mit Musik, das sich am mittelalterlichen Minnesang orientiert. Er habe sich den Text aneignen müssen und herausgearbeitet, was ihm bedeutend erschien. „Ohne Konflikt kein Theater“, sagt er. „Mir schien das Spiel einer sich anbahnenden Liebe, der die Erfüllung verwehrt bleibt, das für die Bühne geeignetste.“ Dabei habe ihm die Autorin freie Hand gelassen. „Jetzt ist sie gespannt, wie ihr Text unter den veränderten Bedingungen weiterlebt“, so Drexel.
Dass seine Version von „Johanna“ nicht allen Facetten des Ursprungstextes gerecht werden kann, ist Drexel klar. „Dramatisieren bedeutet immer Reduktion. Gerade im Destillieren liegt die Herausforderung.“ (jole)