Mit einer Pferdestärke so viel geschafft wie ein Lkw

Die Fertigkeit der Holzbringung mit Pferd und Schlitten soll nicht verschwinden. Am Sonntag lebt die Tradition im Debanttal neu auf.

Von Catharina Oblasser

Nußdorf-Debant, Gaimberg –Um halb drei in der Früh aufstehen, die Pferde füttern, frühstücken und dann zum Holzbringen aufbrechen: Daran erinnert sich Paul Steiner aus Gaimberg heute noch gut. „Als 16-Jähriger habe ich mit meinem Bruder Friedl begonnen, für die Agrargemeinschaft Gaimberg aus dem Debanttal Holz zu holen. Das war 1957. Bei Tagesanbruch mussten wir schon an Ort und Stelle zum Aufladen sein.“

In den späten 50er-Jahren waren es an einem Tag noch bis zu 33 Einspänner, die die Baumstämme auf schmalen Wegen in die Zivilisation brachten. „Da konnte jeder nur einmal hineinfahren, mehr ist sich nicht ausgegangen“, erzählt der 72-jährige Bauer. Trotz aller Enge und Beschwerlichkeit schaffte das Ein-PS-Gespann fünf bis sechs Festmeter Holz pro Transport. Nicht alles lag direkt auf dem Schlitten, ein Teil davon wurde hintennach gezogen. „Später waren die Wege schon besser. Dann konnten es bis zu acht Festmeter auf einmal sein“, so Steiner. Zum Vergleich: Heute transportiert ein Holz-Lkw maximal 16 Festmeter, hat aber stolze 500 PS.

Dass die Arbeit hart und gefährlich war, nahmen die Holzbringer in Kauf. „Man hat ja auch nicht schlecht verdient“, erinnert sich Steiner. Doch 1962 brachte das Ende der Ein-PS-Transporte. Traktoren kamen auf und ersetzten die Vierbeiner und ihre Fuhrmänner.

Umso wichtiger ist es, dass die alten Fertigkeiten und das Wissen um die Tradition nicht verloren gehen, findet Philipp Jans. Er hat deshalb mit einigen anderen das „Debanttaler Holzfiahn“ organisiert. Nach altem Brauch werden am kommenden Sonntag wieder Einspänner aufbrechen, um Holz zu holen. „An die 20 Gespanne aus Osttirol und Kärnten haben sich angemeldet, darunter viele junge Leute“, freut sich Jans. Mit dabei ist nach 50 Jahren auch wieder Paul Steiner mit seinem Norikerhengst Schleinitz-Vulkan. Von ihm können sich viele Teilnehmer wohl einiges abschauen. Denn, sagt Jans: „Das Wichtigste beim Holzführen ist nicht ein starkes Pferd, sondern ein geschickter Fuhrmann.“