Berufungsverfahren gegen Liberias Ex-Präsidenten Taylor begonnen
Taylor war wegen Kriegsverbrechen in Sierra Leone zu 50 Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft fordert 80 Jahre Gefängnis.
Leidschendam, Freetown, Monrovia – Vor dem Sondertribunal für Sierra Leone hat am Dienstag der Berufungsprozess im Fall des früheren liberianischen Staatschefs Charles Taylor begonnen. In Anwesenheit des wegen Kriegsverbrechen zu 50 Jahren Haft Verurteilten trug zunächst ein Vertreter der Anklage, Nicholas Koumjian, die Argumente vor der Berufungskammer des Gerichts im niederländischen Leidschendam nahe Den Haag vor. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verschärfung der Strafe auf 80 Jahre Haft, die Verteidigung hatte ebenfalls Berufung gegen den Schuldspruch sowie das Strafmaß eingelegt.
Das Gericht müsse auch „diejenigen zur Verantwortung ziehen, die die Verbrechen begünstigen“, sagte Koumjian. Taylor war schuldig gesprochen worden, als Präsident Liberias während des Bürgerkriegs im benachbarten Sierra Leone die Rebellen der Revolutionären Vereinten Front (RUF) unterstützt zu haben. Die Anklage fordert aber, Taylor auch für direkte Befehle an die Rebellen sowie ihre Verbündeten zur Verantwortung zu ziehen. Taylor folgte den Ausführungen der Anklage in einem schwarzen Anzug gekleidet ruhig und aufmerksam.
Taylors Verteidigung will am Nachmittag ihre Argumente vortragen. Sie plädiert auf nicht schuldig und will vor allem Verfahrensfehler geltend machen. Es handle sich um ein „Fehlurteil“ mit „Ungenauigkeiten und Widersprüchen“, heißt es in den Dokumenten des Anwalts Morris Anyah. Der Berufungsprozess ist zunächst auf zwei Tage angesetzt.
Taylor war im April vergangenen Jahres wegen Kriegsverbrechen schuldig befunden und einen Monat später verurteilt worden. Der Ex-Staatschef bewaffnete nach Überzeugung des Gerichts die Rebellen in Sierra Leone und ließ seine Truppen an deren Seite kämpfen. Dafür wurde er demnach mit sogenannten Blutdiamanten bezahlt, die unter unmenschlichsten Bedingungen geschürft wurden. Während des Bürgerkriegs in Sierra Leone in den 90er Jahren starben 120.000 Menschen. Taylor war im April 2012 als erstes ehemaliges Staatsoberhaupt nach dem Zweiten Weltkrieg für Anstiftung und Beihilfe zu Kriegsverbrechen schuldig gesprochen worden. (APA/AFP/dpa)