Online-Datenbank zu NS-Kunsthandel
Wien – Per Mausklick zur Provenienz fraglicher Bilder etwa von Edward Munch, Lucas Cranach oder Max Beckmann. Das ermöglicht das Projekt „Ge...
Wien –Per Mausklick zur Provenienz fraglicher Bilder etwa von Edward Munch, Lucas Cranach oder Max Beckmann. Das ermöglicht das Projekt „German Sales 1930–1945“, im Zuge dessen erstmals rund 2600 Auktionskataloge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz digitalisiert und erfasst wurden. „Auktionskataloge sind eine unverzichtbare Quelle für die Provenienzforschung, vor allem wenn sie mit zusätzlicher Information aus anderen Quellen angereichert sind“, erklärte der österreichische Kunsthistoriker Christian Huemer, der das Projekt vom Getty Research Institute in Los Angeles koordiniert. Heute Donnerstag werden die Daten online gestellt (www.arthistoricum.net/themen/themenportale/german-sales).
Bisher wurden bei Restitutionsverfahren Auktionskataloge häufig nicht mit einbezogen. Nun soll es nicht nur möglich sein, fragliche Provenienzen zu beleuchten, sondern auch Zusatzinformationen wie Preis, Käufer oder kunsthistorische Kommentare abzurufen. Das erleichtere die Forschung etwa zu Bildern, die jüdische Sammler zur Finanzierung der eigenen Flucht vor dem NS-Regime versteigern ließen, oder zu solchen, die über den Umweg nationalsozialistischer Sammler, die jüdische Galerien aufkauften, bis zu Auktionen der Handelsvertretung der Sozialistischen Sowjetrepubliken gelangten. Forscher weltweit können gratis auf die Daten zugreifen. „Daher wird es sicherlich neue Restitutionsfälle aufwerfen bzw. helfen, existierende Fälle zu klären“, glaubt Huemer. (APA, TT)