Österreichischer Filmpreis

Seidl triumphiert mit „Paradies: Liebe“

Der österreichische Regisseur Ulrich Seidl.
© APA/HERBERT NEUBAUER

Seidls Film wurde dreifach ausgezeichnet. Florian Flickers „Grenzgänger“ erhielt ebenfalls drei Auszeichnungen. „Der Prozess“ wurde als beste Doku prämiert.

Wien – In Abwesenheit von Michael Haneke, der mit „Amour“ (Liebe) zuletzt weltweit reüssiert hat und für fünf Oscars nominiert ist, hat Ulrich Seidl beim Österreichischen Filmpreis am Mittwochabend im Wiener Rathaus die wichtigsten Auszeichnungen abgeräumt. Der Regisseur wurde für sein Sextourismus-Drama „Paradies: Liebe“, das sechsfach nominiert war, mit den Preisen für den besten Film, die beste Regie und die beste Hauptdarstellerin (Margarethe Tiesel) bedacht. Der siebenfach nominierte Favorit „Grenzgänger“ von Florian Flicker erhielt ebenfalls drei Auszeichnungen, darunter jene für das beste Drehbuch (Flicker selbst) und die beste Kamera (Martin Gschlacht).

Haneke reichte „Amour“ erst gar nicht ein

Seidl sagte auf der Bühne „weniger, als ich eigentlich sagen wollte. Dass ich diese Auszeichnung trotz vieler internationaler Preise ausgerechnet hier bekomme, freut mich ganz besonders.“ Flicker nahm den Drehbuchpreis mit großen Emotionen entgegen und dankte seinen Produzenten, die ihm nach zehn Jahren wieder die Herstellung eines Filmes ermöglichten. Haneke hatte seinen Film erst gar nicht für den zum dritten Mal vergebenen Filmpreis eingereicht, da er bereits sehr viele Auszeichnungen für „Amour“ bekommen habe. Der Regisseur wäre für die Hauptkategorie nicht zugelassen gewesen, da sein Film französisch produziert und nicht auf Deutsch ist.

Ausschließlich in Unterkategorien zugelassen waren etwa auch die majoritär deutsche Produktion „Die Vermessung der Welt“, die für die beste Maske (Monika Fischer-Vorauer, Michaela Oppl) und das beste Kostümbild (Thomas Olah) prämiert wurde, und die schweiz-österreichische Doku „More than Honey“, die für die beste Tongestaltung (Nils Kirchhoff, Bernhard Maisch, Dieter Meyer) ausgezeichnet wurde. Der vierfach nominierte Film „Kuma“ wurde zumindest für das beste Szenenbild (Katrin Huber) prämiert, während die fünffach nominierte Literaturverfilmung „Die Wand“ von Julian Roman Pölsler - auch in Anwesenheit von Darstellerin Martina Gedeck - völlig leer ausging.

Gedeck musste sich in der Kategorie der besten Darstellerin der vor Freude überschäumenden Margarethe Tiesel („Ich freu mich, ich freu mich, ich freu mich!“) geschlagen geben. Bei den besten Hauptdarstellern freute sich Karl Merkatz für seine Rolle in „Anfang 80“ über lang anhaltenden Applaus. Als bester Dokumentarfilm wurde vor mehr als 1000 Gästen - darunter auch viel politische Prominenz - „Der Prozess“ von Gerald Igor Hauzenberger prämiert. Der Regisseur zitierte in seiner langen und engagierten Dankesrede angesichts des Tierschützerprozesses in Wiener Neustadt, den er dokumentiert hatte, Kafka: „Wer einen solchen Prozess hat, der hat ihn auch schon verloren.“

Erstmals Auszeichnung für besten Kurzfilm

Der Präsident der Akademie des Österreichischen Films, Karl Markovics, attestierte in Abwandlung von Peter Handke dem Film die Kraft „eine eingeschlafene Seele zu erwecken“ und hieß „den Kurzfilm als jüngstes Mitglied in unserer Familie herzlich willkommen“. Den erstmals vergebenen Preis für den besten Kurzfilm - und damit die 14. der elegant geschwungenen Skulpturen von VALIE EXPORT - nahm Catalina Molina für „Unser Lied“ aus den Händen von Ursula Strauß und Thomas Schubert entgegen. Apropos Lied: Für die beste Musik in „Grenzgänger“ wurde Eva Jantschitsch alias Gustav geehrt. Und den besten Schnitt holte Monika Willi für „Die Lebenden“.

Die Gala im prunkvollen Festsaal des Rathauses - nach dem Odeon Theater im ersten Jahr und den Rosenhügel-Studios im zweiten - wurde einmal mehr von Drehbuchautor Rupert Henning moderiert. Die Preise werden durch die anonyme Stimmabgabe der knapp 300 Mitglieder der Akademie ermittelt.

Im Folgenden die Preisträger im Überblick:

Bester Spielfilm: „Paradies: Liebe“ (Produzent: Ulrich Seidl , Regie: Ulrich Seidl)

Bester Dokumentarfilm: „Der Prozess“ (Produzent: Michael Seeber, Gerald Igor Hauzenberger, Regie: Gerald Igor Hauzenberger)

Bester Kurzfilm: „Unser Lied“ (Regie: Catalina Molina)

Beste Regie: Ulrich Seidl („Paradies: Liebe“)

Beste Darstellerin: Margarethe Tiesel („Paradies: Liebe“)

Bester Darsteller: Karl Merkatz („Anfang 80“)

Bestes Drehbuch: Florian Flicker („Grenzgänger“)

Beste Kamera: Martin Gschlacht („Grenzgänger“)

Bestes Kostümbild: Thomas Olah („Die Vermessung der Welt“)

Beste Maske: Monika Fischer-Vorauer, Michaela Oppl („Die Vermessung der Welt“)

Beste Musik: Eva Jantschitsch („Grenzgänger“)

Bester Schnitt: Monika Willi („Die Lebenden“)

Bestes Szenenbild: Katrin Huber („Kuma“)

Beste Tongestaltung: Nils Kirchhoff, Bernhard Maisch, Dieter Meyer („More than Honey“)

(APA)