Gesellschaft

Im Namen des Glaubens

Der aktuelle Jahresbericht der christlichen Hilfsorganisation „Open Doors“ zeigt auf: Angriffe auf Christen nehmen weltweit zu. 2012 waren sie weltweit die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Überfälle auf Besucher von Weihnachtsgottesdiensten, ermordete Priester: Die westliche Welt reagiert schockiert auf Vorfälle wie diese. Dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt, belegt eine Liste von 50 Ländern, in denen Christen Verfolgung ausgesetzt sind. An erster Stelle liegt das kommunistische Nordkorea. In keinem anderen Staat seien Christen derart unter Druck wie in diesem Regime, heißt es von Seiten des international tätigen Hilfswerks „Open Doors“. In Nordkorea könne bereits der Besitz einer Bibel den sicheren Tod bedeuten. Zuletzt habe aber vor allem der „Arabische Frühling“ die Verfolgung von Christen bestärkt, der Terror bleibe häufig ungestraft, wie „Open Doors“ beklagt. So belegt etwa Libyen – früher noch auf Platz 26 – derzeit Rang 17. Die aktuellen Konflikte mit islamistischen Rebellen, die fast alle Christen in Mali in die Flucht trieben, brachten das westafrikanische Land auf Rang 7. Mali war zuvor nicht auf dem Weltverfolgungsindex vertreten.

Abgesehen von besonders brutalen Vorfällen bleiben religiös motivierte Angriffe in der westlichen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Dabei sind die meisten Menschen, die weltweit wegen ihres religiösen Glaubens benachteiligt und verfolgt werden, Christen. Organisationen schätzen die Zahl der Betroffenen auf rund 100 Millionen. Alle fünf Minuten sterbe ein Christ für seinen Glauben.

Józef Niewiadomski, Dekan der Theologischen Fakultät an der Universität Innsbruck, wünscht sich eine Sensibilisierung der Gesellschaft: Das Problem dürfe zwar nicht hochgeschaukelt, solle aber auch nicht länger tabuisiert werden. Derzeit würde es häufig heruntergespielt – „meistens aus Angst, dadurch Islamophobie zu schüren“. Doch man müsse zwischen islamischer Kultur und gewaltbereiten Islamisten unterscheiden. Um gegen Intoleranz einzutreten, helfe nur, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen und Vertreter anderer Religionen zu respektieren. Niewiadomski: „Religiöser Terrorismus missbraucht die Opfer.“ Die Antwort auf Gewalt dürfe daher nicht Gewalt bedeuten. Die Religionen sollten sich stattdessen ihres Versöhnungspotenzials besinnen. Nur so könne die „Sackgasse der Intoleranz“ gesprengt werden.