Ein jodelnder und poetischer Clown
Herman van Veen machte am Donnerstag in Tirol Station und zeigte seine Vielseitigkeit und seine unglaubliche Musikalität.
Von Alexandra Plank
Innsbruck –„Er ist noch genauso wie beim letzten Mal“, sagt die Dame in der Reihe hinter mir sichtlich zufrieden zu ihrer Nachbarin. Seit 40 Jahren begeistert das Multitalent Herman van Veen sein Publikum und genauso lange können die Zuhörer nicht genug von ihm bekommen. Wie schon bei früheren Konzerten geht der Künstler nach drei Zugaben durch die Publikumsreihen und schleicht sich durch die Tür des Saal Tirol davon.
Zweieinhalb Stunden lang zeigt der 67-Jährige auf der Bühne, dass er an Vitalität nichts eingebüßt hat, wohl aber nimmt das Altern und das Erinnern in seinen Liedern und Zwischentexten mittlerweile eine wichtigere Rolle ein. „Das Leben ist nichts anderes als eine Menge Getue zwischen zwei Perioden als Bettnässer“, sagt er. Das ist komisch und doch nicht wirklich zum Lachen. Van Veen ist auch politisch, wenn er etwa den Missbrauch von Kindern durch Priester oder die Sinnlosigkeit des Krieges anprangert. Trotz allem hat Van Veen aber ein zärtliches Gefühl für die Menschen, seine Poesie bringt beim Zuhörer ganz tiefe Gefühlsebenen zum Klingen.
Neben dieser Seite gibt es auch noch den Clown Van Veen, der mit der Leichtigkeit eines Kindes sein Publikum zum Lachen bringt. Da wird bei einem Lied schon einmal gejodelt, eine Unterhose herbeigezaubert und ein Ball ploppt aus dem Mund. Was begeistert, ist aber vor allem seine Authentizität und das unglaubliche Charisma, das von der Bühne aus in den Zuschauerraum schwappt.
Das Lied für seine beiden Enkelkinder „Für einen Kuss von Dir“ ist eine Liebeserklärung. „Hast du keine Träne, ich wein‘ dir eine“, singt er.
„Ich lieb‘ dich noch“, erklingt als Draufgabe. „Wir lieben dich noch“, könnte auch als Motto des Publikums über dem Abend stehen, das sich mit Standing Ovations bedankt.