Die Summe der einzelnen Teile
Von Sabine Theiner...
Von Sabine Theiner
Innsbruck –Wenn die Single als Vorbote eines Albums richtig Erfolg hat, ist das manchmal eine zweischneidige Sache. Einerseits zeigt sie das Potenzial einer Band, andererseits kann so ein Song gnadenlos die Schwächen des dazugehörigen Albums aufdecken. „Cough Cough“, die Single aus dem neuen Album „Arc“ von Everything Everything, hat Musikfans und -kritiker in große Begeisterung und in Tanzlaune versetzt. Ist auch ein besonderer Song, der den Hörer sofort hineinsaugt in dieses wahnsinnige Stakkato aus Gitarren, Trommeln und Stimmen. Den hohen Unterhaltungswert eines solchen Songs ein ganzes Album lang durchzuhalten, ist ein schwieriges Unterfangen, mit dem Everything Everything auf „Arc“ alle Hände voll zu tun haben.
Weil die Briten eine ambitionierte Band sind, geben sie sich nicht mit Standardformaten zufrieden. Den vier Musikern, allesamt Studenten der Musikwissenschaften, mangelt es nicht an Einfällen und Ideen, sie schöpfen aus einem großen Fundus, beherrschen allerlei Fertigkeiten und jede Menge Kniffe. Das haben sie schon auf ihrem vielgelobten Debüt, dem chaotischen und dabei clever durchdachten „Man Alive“ von 2010, bewiesen. Der hohe Anspruch der Band an sich selbst zeigt sich auch auf „Arc“, besonders im großartigen „Kemosabe“, im überraschenden „Undrowned“, im außergewöhnlichen „Radiant“ oder dem freakigen „The Peaks“. Diese Tracks punkten schon mit ihrer eigenwilligen Struktur, außerdem mit kühnen Wechseln und unvorhergesehenen Wendungen, kräftigen Melodien, viel Synthie und dem hellen Falsettgesang von Jonathan Higgs. Die Sperrigkeit ist gewollt, Everything Everything sind eben keine 08/15-Band.
Was die Freude an „Arc“ allerdings etwas dämpft, sind Belanglosigkeiten wie „Don’t Try“ oder „Duet“, die zu poppig-schnulzig sind und ein bisschen zu sehr nach Bloc Party oder Coldplay klingen. Hier macht sich eine Flaute bemerkbar, die die hohe Qualität der anderen Tracks zwar nicht schmälert, der Homogenität des Albums aber etwas im Wege steht. Diese Hänger schlagen sich auch auf die Kohärenz nieder, weil sie etwas zu banal sind, zu sehr gewollt klingen oder zu sehr nach Hit lechzen. Trotzdem ist „Arc“ ein gutes Album. Schon allein weil Everything Everything eine spannende, eigenwillige Band sind.