Wintersport

Svindal, der große Gejagte

Eben trat mit Didier Cuche ein Dominator zurück, da kündigt sich mit Aksel Lund Svindal ein Nachfolger an. Zum Leidwesen der Österreicher – die wollen heute (11.30 Uhr) erstmals seit 2006 auf der Streif gewinnen.

Von Florian Madl

Kitzbühel –Jubel brandete auf, als Aksel Lund Svindal gestern Bestzeit im Super-G markierte. Am lautesten kam der aus einer kleinen Ecke unterhalb der Tribüne, wo für gewöhnlich Angehörige der Athleten an ihren Fingernägeln kauen. Bjørn und Anne Berit Svindal waren außer sich, als sei ihr Sohn kein Twen im Spätherbst, sondern ein aufstrebender Teenager. In ihrer Heimat Norwegen wäre man da gelassener: „Wenn du in Kitzbühel gewinnst, nehmen sie Notiz. Aber die großen Geschichten sind bei uns Langlaufen und Skispringen“, glaubt der Vater.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sein Sohn heute auf der Streif den Elchtest besteht, seinem Super-G-Erfolg auch den in der Abfahrt hinzufügt, stehen nach Meinung von Wettanbietern jedenfalls gut: Mit einer Quote von 1:2,5 lässt sich mit dem 29-Jährigen wenig verdienen, mit den beiden nächstgereihten Klaus Kröll und Hannes Reichelt (beide AUT, jeweils 1:6) schon mehr. Und eines weiß Svindal: „Eine Legende bist du erst, wenn du in Kitzbühel die Abfahrt gewinnst.“ Seinen beiden Trainingsbestzeiten misst er keine Bedeutung bei: „Training ist Training und Rennen ist Rennen.“

Die Österreicher indes sind weniger um Historisches bemüht, sondern um das Beenden einer Serie: Seit Michael Walchhofer (2006) gewann in Kitzbühel kein Österreicher mehr, die Konstanz Svindals beängstigt geradezu: „Was Svindal gemacht hat, weiß ich nicht“, analysierte etwa Klaus Kröll eine Trainingsfahrt seines Gegners. Man dürfe keinen Bock schießen, sonst sei man weg. Und Hannes Reichelt, in Bormio der einzige österreichische Abfahrtssieger der Saison, stimmt in den Kanon ein: „Er fährt sauber, hat einen Haufen Siege und Stockerlplätze im Hinterkopf. Da geht alles leichter.“

Doch die Österreicher fahren nicht nur gegen Sportler aus dem Ausland, selbst Zimmerkollegen mutieren zwei Wochen vor der WM-Abfahrt zu Konkurrenten: Das Sextett Florian Scheiber, Romed Baumann (beide Tirol), Joachim Puchner, Georg Streitberger (beide Salzburg), Max Franz und Matthias Mayer (beide Kärnten) rittert um zwei Startplätze in Schladming. Der Ötztaler Florian Scheiber rechnet sich nach Platz sechs im Kitzbühel-Training einiges aus. Und der Pillersee­taler Romed Baumann erinnert sich gerne an Platz zwei im Vorjahr (Sprintabfahrt).

Viele Fragezeichen, und nur eine Prognose scheint zulässig: Nach Didier Cuche (2008, 2010, 2011, 2012) und Didier Defago (2009) wird der Gewinner wohl erstmals seit fünf Jahren nicht aus der Schweiz kommen.