Beschäftigungstherapie für zwei Achsen
Wenige Wochen nach der Markteinführung der siebten Golf-Generation trommelt VW für die kompakten Allradvarianten. Die Schnelligkeit der 4WD-Technik und die Sparsamkeit der Motoren schinden Eindruck.
Von Markus Höscheler
Oberndorf –Seine große Stunde schlug Anfang November 2012: Volkswagen lieferte die ersten Einheiten des Golf VII aus. Der Neuling stieß erwartungsgemäß auf massives Interesse. Damit die Aufmerksamkeit nicht abflaut, stellen die Wolfsburger mitten im Winter die 4Motion-Varianten des Kompaktwagens in den Vordergrund. Einzelne Exemplare sind auf Österreichs Straßen schon unterwegs, ein Teil davon im Raum Kitzbühel. Dort hatten wir Gelegenheit, die neue Allradtechnik im nicht minder neuen Bestseller kennen zu lernen.
Gegenüber den vergleichbaren Fronttrieblern bringt ein 4Motion-Golf rund 100 Kilogramm mehr auf die Waage. Das Zusatzgewicht verdankt er den Allradkomponenten, beruhend auf der Haldex-Technik der fünften und somit neuesten Generation. Sie unterscheidet sich vom Vorgänger unter anderem durch eine reduzierte Masse und den Verzicht auf einen Druckspeicher. Eine elektrohydraulische Lamellenkupplung reagiert blitzschnell auf mögliche Traktionsverluste und kann die Verteilung des Drehmoments zwischen beiden Achsen variabel gestalten. Laut VW-Techniker sind sogar Fahrzustände möglich, bei denen hundert Prozent der Kraft entweder auf die Vorder- oder auf die Hinterachse gelangen. Für immer wieder wechselnde Straßenbedingungen wie in Tirol bietet sich 4Motion folgerichtig an.
Erst recht in Verbindung mit weiteren technischen Feinheiten, die das Haldex-System unterstützen: So sorgt die elektronische Differenzialsperre XDS auf beiden Achsen für mehr Kurvendynamik. Ihre Basis ist das Vierrad-EDS, das bei Durchdrehen eines Rades rasch die Antriebskraft auf das gegenüberliegende Rad leitet. Beide elektronischen Systeme sind Bestandteile eines erweiterten elektronischen Stabilitätsprogramms, das im VW-Konzern das Kürzel ESC trägt.
Anfreunden kann sich der 4Motion-Nachfragende allerdings nur in Verbindung mit Sechsgang-Handschaltern und mit Vierzylinder-Dieselaggregaten. Dem bequemen Einstieg dient ein 1,6-Liter-Selbstzünder mit 105 PS und 250 Newtonmetern Drehmomentmaximum (1500 Umdrehungen/Minute), für ungeduldigere Zeitgenossen gibt es ein Aggregat mit zwei Litern Hubraum und 150 PS und 320 Newtonmetern Drehmomentspitze (1750 Touren). Die genormten Verbräuche sind brillant (4,5 respektive 4,7 l/100 km), die praktischen wenigstens beeindruckend. Bei der ersten Erprobung des 4Motion mit stärkerem Selbstzünder Richtung Pass Thurn und zurück ermittelten wir 5,5 l Durchschnittskonsum je 100 Kilometer – trotz ständiger Missachtung verbrauchsschonender Schaltempfehlungen.
Die Laufkultur und die Kraftentfaltung des 150-PS-Triebwerks nötigen Respekt ab, ebenso verdient die sture Traktion auf regennasser und beschneiter, teils vereister Fahrbahn Beachtung. Das Golf-VII-4Motion-Erlebnis ist bereits lieferbar, Volkswagen verlangt dafür mindestens 25.530 Euro (105 PS) mit der Basisausstattung Trendline. Comfortline, Highline und Sky runden das Angebot nach oben ab.