EU steigt bei E-Autos aufs Gas
Brüssel will ein europäisches Ladenetz für Elektroautos errichten. Experten sind skeptisch.
Brüssel –Die EU-Kommission macht Druck bei Elektroautos. Diese Woche hat sie ihre Vorschläge für einen Umbruch zu alternativen Autoantrieben präsentiert.
Der Grund: Noch bis vor Kurzem dachte man auch in der EU, der Verkauf von Elektroautos sei ein Selbstläufer, doch nach den Verkaufszahlen des vergangenen Jahres sieht sich die Kommission nun zum Handeln gezwungen: Anstatt weiter zuzunehmen, ist der Verkauf von Elektroautos in vielen Ländern zurückgegangen. In Österreich sind die Anmeldungen von Elektroautos gar um ein Drittel im Vergleich zum Jahr 2011 gesunken. Nur 427 E-Autos fanden im Vorjahr den Weg auf die heimischen Straßen.
Um diesem Trend entgegenzusteuern, sollen Hunderttausende Ladestationen für Elektroautos in den kommenden Jahren in Europa entstehen. Wer das ambitionierte Vorhaben bezahlen soll, ist noch nicht klar. „Wir erwarten nicht, dass die EU-Mitgliedstaaten dafür zahlen. Auch wir werden dafür nicht bezahlen“, sagte ein Experte der EU-Kommission. Stattdessen soll die Privatwirtschaft für die Kosten aufkommen. Die Brüsseler Behörde geht davon aus, dass dies zum Beispiel durch die Vergabe von Bauaufträgen gelingen kann. So könnten Bauherren bei Parkhäusern oder Raststätten den Einbau von Elektrotankstellen verlangen.
Branchenexperten reagierten reserviert. Mehr Ladestationen alleine brächten noch keinen Durchbruch der E-Autos, lautet der allgemeine Tenor. Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen sprach von einer „halben Sache“. Notwendig sei eine konzertierte Aktion – so müsse die EU auch die Klimaauflagen verschärfen, damit die Autobauer zu mehr Anstrengungen bei E-Autos gezwungen würden.
Lob für ihren Vorschlag erhält die EU-Kommission von Vertretern der Autobranche. Damit würden die Anstrengungen der Industrie „sinnvoll“ flankiert, sagte der Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie, Matthias Wissmann. Damit Elektroautos für den Kunden attraktiv sind, müssten sie genauso alltagstauglich sein wie herkömmliche Pkw. Jedoch geht es der Autoindustrie weiterhin vorrangig darum, die herkömmlichen Benzin- und Dieselmotoren zu optimieren. Denn die Forschung und Entwicklung der E-Autos verschlingen Milliarden und es dürfte lange dauern, bis sich diese Investitionen rechnen. Manche Topmanager der Autohersteller fordern daher Kaufprämien für E-Autos – viele Regierungen lehnen dies aber bislang ab.
Die Vorschläge der EU-Kommission kommen nicht überraschend. Sie verfolgt den Plan, bis zum Jahr 2020 ein Fünftel ihrer Treibhausgase verglichen mit 1990 einzusparen. Dazu sollen auch sinkende Emissionen im Verkehr beitragen. Der Straßenverkehr ist nach Angaben der EU-Kommission derzeit für ein Fünftel des europäischen CO2-Ausstoßes verantwortlich.
Deshalb enthält die Initiative der Behörde auch konkrete Vorgaben an jedes EU-Land für Tankstellen für Erdgas und Wasserstoff bis zum Jahr 2020. (ecke, APA, dpa)