„High Life“ abseits der Streif
80.000 Fans verwandelten Kitzbühel in eine Partymeile. 300 Exekutivbeamte und gut 100 Rotkreuz-Mitarbeiter erlebten ein Wochenende ohne Zwischenfälle, das neue Stadtkonzept bewehrte sich.
Von Florian Madl und Harald Angerer
Kitzbühel –Hier die Promis, dort die Promille – das war einmal. Seit Einführung einer Obergrenze für Volumprozent kommt am Hahnenkamm-Wochenende nichts Hochprozentiges mehr in den Verkauf, der Stimmung tut das im Gegenzug keinen Abbruch. „Der Trend geht allgemein zum Bier“, bilanziert Organisationsleiter Wolfgang Weiss, der zwischenzeitlich für außerplanmäßigen Nachschub sorgen musste. Der Kitzbüheler Bürgermeister Klaus Winkler stellte zufrieden fest, „dass die Stimmung bis auf ein paar kleine Auseinandersetzungen immer friedlich war“. Eine Umfrage bei den Einsatzkräften bestätigte diesen Eindruck des Stadtoberhaupts hinlänglich.
1Exekutive: Die Polizei zeigte sich mit dem Ablauf des verlängerten Wochenendes zufrieden. Die Einsatzstatistik verzeichnete zwölf Körperverletzungen und eine Sachbeschädigung. „Wenn die Bilanz nach einer so großen Veranstaltung so ausfällt, dann müssen wir zufrieden sein“, stellte Bezirkspolizeikommandant Josef Bodner fest. Am Samstag waren in Kitzbühel 135 Beamte im Einsatz, am Freitag 75 und am Sonntag 70 (die Hälfte davon regelte den Verkehr). Auch bei der An- und Abreise der Zuschauer kam es zu keinen Problemen.
2Rettungskräfte: Die Bilanz des Roten Kreuzes fällt beruhigend aus: Trotz des Andrangs gab es keine größeren Einsätze, an den drei Tagen verzeichnete man 88 Verletzte (vor allem Verstauchungen, Schnittwunden oder Brüche). Mancher Vorfall sei auf Alkoholeinfluss zurückzuführen, „komatöse Personen“ seien keine daruntergewesen. „Die Alkoholsituation war heuer sehr überschaubar“, befand der Einsatzleiter und Rotkreuz-Bezirksstellenleiter Herbert Haid. Insgesamt seien von Freitag bis Sonntag 107 Sanitäter im Einsatz gewesen, am Samstag ausnahmsweise vier Notärzte.
3Stadt Kitzbühel: Zufrieden ist man auch von Seiten der Stadt Kitzbühel. „Das Sicherheitskonzept mit der Rettungsgasse in der Innenstadt hat funktioniert. Trotz des Andrangs war es nie zu eng“, bilanzierte der für die Innenstadt zuständige Gemeinderat Ludwig Schlechter. Anpassungsbedarf sehe er aber noch bei der Beschallung. Das Wechselspiel zwischen Volks- und Popmusik sei „nicht optimal verlaufen, hier gibt es noch Luft nach oben“.
4Standlbetreiber: Gemischte Gefühle – die einen sprechen von Umsatzrückgängen, die anderen sind zufrieden. Vor allem das immer größer werdende Angebot an Speisen wird für die Standlbetreiber ein Konkurrenzfaktor. „Wir spüren, dass mittlerweile überall etwas angeboten wird. Früher waren es nur drei Stände“, meinte etwa Metzger Christian Aschaber. Trotzdem sei er mit dem Umsatz am Hahnenkamm-Wochenende zufrieden gewesen.
5Shuttle-Verkehr: Die Zusammenarbeit mit den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bewährt sich, eine Blechlawine blieb auch diesmal aus. Über 300 Zughalte wurden am Rennwochenende registriert – dreimal so viele wie an vergleichbaren Tagen. Zu den Spitzenzeiten verkehrten die Züge im 15-Minuten-Takt zwischen Kirchberg, Kitzbühel und St. Johann, im Zusammenspiel mit den Großparkplätzen entlang der Bahn trug das Früchte. Über 50.000 Gäste nutzten das Angebot. Und wohl noch etliche mehr werden es im Rahmen der anstehenden Ski-Weltmeisterschaft in Schladming sein.
6Wetter: Niederschlag, Wind, Schneemangel, Absagendebatte – womit hatten sich die Organisatoren in den vergangenen Jahren nicht herumzuschlagen. Diesmal blieb ihnen die Diskussion erspart.