Schnuller-Alarm – wie alles begann

Wird der Kleine bei der Ski-WM der Größte? Ein entzückendes Video made in Holland dokumentiert die ersten Ski-Bogerl von ÖSV-Superstar Marcel Hirscher – und seine Leidenschaft für die Ziehharmonika.

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Von Marlies Czerny

Innsbruck –Klappe und Action: Dieser kleine Mann, der den Schnuller im Mund und die Spielzeug-Ziehharmonika in Händen hat, zählt drei Jahre. Schon flitzt der Dreikäsehoch, der Mama Sylvia nicht einmal bis zur Hüfte reicht, über Annabergs Pisten los. Sein Stil: Schusspflug, der Parallelschwung wird aber schon. A star is born!

Wer da den kleinen Marcel Hirscher im weltweiten Netz so groß herausbringt, ist Onkel John aus den Niederlanden. Bisher hat das Video auf „Youtube“ kaum Klicks, doch das dürfte sich ändern. Das Prädikat ist nämlich sehenswert. „Ich hab‘ das Video in Annaberg gemacht“, erzählt der Onkel, der mit der Schwester von Frau Hirscher verheiratet ist. In seinen holländischen Zeitungen liest er laufend von seinem Neffen – bei Hirschers Pressemann trudelt täglich eine Interview­anfrage aus den Niederlanden ein.

Aus Den Haag stammt Sylvia Hirscher, und beim Ski-Urlaub in der Dachstein-Region hat sie den Ferdinand kennen gelernt. Der kunst-begeisterte Ferdinand, den Marcel gern Ferdl nennt, war einst Holzhacker, Hüttenwirt und Skilehrer. Der Vater des Erfolgs erinnert sich gut an den ersten Skitag seines ältesten Sohnemanns. „2. März 1991.“ Warum er das auf den Tag so genau weiß? Es ist Marcels zweiter Geburtstag. „Er hat Ski geschenkt bekommen“, erzählt der Ferdl. „Ich hab‘ mir beim Slalomfahren den Knöchel gebrochen und bin dann eben auf einem Fuß Ski gefahren. So hab‘ ich mit dem Buben begonnen.“

Als Dreijähriger hatte Mini-Marcel seinen ersten Renn­einsatz. Die Startnummer 41 war ihm fast eine Nummer zu groß. Stört aber nicht, flattert nur ein wenig.

Wer in Hirschers Kindheit blättert, der bleibt auch bei einem Lausbuben-Streich hängen. Er war zehn, als er den lieben Nachbarn einen fürchterlichen Schrecken einjagte. Ein Freund und Marcel stellten mittags Nudeln auf den Ofen. „Derweil haben sie am Boden Gameboy gespielt. Die Nudeln kochten und kochten, der Rauch zog beim Fenster hinaus. Die Nachbarn wollten die Feuerwehr rufen, und die Buben saßen ruhig am Boden und verbrannten alles“, erinnert sich der Papa an eine Anekdote.

So ein Lauser er auch gewesen sein mag, so viel Spaß bereitete ihm die Bewegung im Allgemeinen und der Skisport im Speziellen. Unter dem Gosaukamm, wo der Ferdl die Stuhlalm bewirtschaftete, diente die Slackline ebenso als Spielzeug wie die Kletterausrüstung.

Welche Karrierestufe dem kleinen Mann mit dem großen Talent am schwersten gefallen ist? Schülerrennen? FIS-Läufe? Europacup? Weltcup? „Der Marcel ist mit sehr gutem Talent gesegnet. Er ist durchmarschiert vom Kind bis in die Nationalmannschaft und hat nie richtig kämpfen müssen. Er hatte großes Glück“, erinnert sich Herr Hirscher. Eine kurze Nachdenkpause legte Marcel vor vier Jahren ein. „Das war das erste Mal, als er im Frühjahr richtig müde war und sagte: Jetzt reicht‘s mir eigentlich.“

Hat es zum Glück nicht. Mittlerweile ist Marcels Skistil einzigartig und nur 45 Kilometer von seiner Babypiste entfernt könnte dem Kleinen auf der Planai die größte Stunde schlagen. Die Ski-WM wird kein Kinderspiel. Für diese Erkenntnis hätte er aber nicht einmal 23 Jahre alt werden müssen.


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