Siedlungskammer Osttirol vor Start

Einst erster Osttiroler Archäologe, wird Harald Stadler am 1. März zum Institutsleiter für Archäologien in Innsbruck ernannt. Im Bezirk Lienz werden alle bisherigen Ergebnisse in einem Großprojekt zusammengeführt.

Von Claudia Funder

Lienz –Harald Stadler bewies bereits oft, dass die Römerstadt Aguntum nicht der einzige lohnenswerte archäologische Forschungsort in Osttirol ist. Vielerorts im Bezirk ist er erfolgreich den Spuren unserer Vorfahren auf den Fersen. Auf sein Konto gehen etwa hunderte Fundstücke aus der Zeit der Kosakentragödie sowie historisch bemerkenswerte Glanzstücke aus dem Alkuser See, der Tammerburg und Schloss Lengberg, um nur einige wenige herauszugreifen.

Aber er befördert nicht nur Relikte aus längst vergangenen Zeiten ans Tageslicht. Stadler macht regelmäßig von sich reden, denn er bringt seine Ideen, Vorhaben und die Ergebnisse seiner Arbeit gekonnt unters Volk, begeistert die Bevölkerung mit kulturhistorisch Spannendem. Im März wird der gebürtige Osttiroler zum Leiter des Instituts für Archäologien in Innsbruck bestellt. Er will nicht nur „eine neue Struktur hereinbringen“, sondern hat auch für Osttirol weiterhin viel vor. Stadler plant etwa das Großprojekt „Siedlungskammer Osttirol“, das im März startet: „Alle archäologischen Ergebnisse, die es bisher von der Steinzeit bis 1945 gibt, werden gesammelt und zusammengeführt.“ Eine Publikations­reihe ist vorgesehe­n.

Mit dem „Virus“ Archäologie wurde Stadler bereits als Schüler infiziert. „Mein­e Begeisterung wurde 1974 während eines Ferienjobs in Agun­tum entzündet“, erinnert er sich. „Ich habe das Ziel bis zur Matura hart­näckig verfolgt.“ Nach seinem Studiu­m in Innsbruck wechselt­e er als freiberuflicher Archäologe nach Osttirol und widmete sich intensiv der Erforschung des Lavanter Kirchbichls.

Nach Tätigkeiten für die Stadtarchäologie in Wien arbeitet er mittlerweile seit über 20 Jahren am Institut für Archäologien in Innsbruck und trägt seit 2000 den Professoren­titel.

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Mit dem Löwenanteil seiner Forschungen widmet er sich Projekten im Osttiroler Raum. Und Stadler findet auch kritische Worte. „Bedauerlicherweise ist die Stadtarchäologie, die so hoffnungsvoll begonnen hat, tot.“ Schmerzlich empfand er, dass der Abbruch der alten Mühle und die Erneuerung der Messinggasse ohne archäologische Begleitung stattfanden. „Die Gasse und das Gelände wären, was die Wirtschaftsgeschichte anbelangt, ein hochinteressante­s Projekt gewesen.“

Schloss Bruck habe, erklärt Stadler, zwar „eine ausgezeichnete Managerin, ich würde mir aber einen Wissenschafter vor Ort wünschen, als schnelle Ansprechstelle“.

Der Wahlvolderer ist ab der Übernahme der Institutsleitung auch für die Belange von Aguntum zuständig, das er als „archäologische Großbaustelle“ weiter optimieren möchte: „Man sollte die Kräfte noch besser bündeln.“ Er plant die Gründung einer Publikations­reihe, um die reichhaltigen Befunde und Funde der einstigen Römer­stadt gezielter an die Bevölkerung zu bringen. Und auch der Lavanter Kirchbichl soll wieder ins archäologische Geschehen gerufen werden: „Es fehlen noch weitere Erkenntnisse“, weiß Stadler.

Mit Nachdruck weitergeführt wird der Schwerpunkt Hochgebirgsarchäologie mit Forschungen am Alkuser See und am Potschepol. „Ein wahres Eldorado für Archäologe­n“, schwärmt Stadler über das hochspannende Areal, das auch in Zukunft unter die Lupe genommen werden soll. Im Rahmen der Hochalpinforschung und Gletscherarchäologie setzt Stadler auf Kooperation: „Ich möchte die Zusammenarbeit mit Bergrettung, Alpinpolizei, Alpenverein und Jägern intensivieren.“

Auf Schloss Lengberg barg der Archäologe im Rahmen des Umbaus rund 10.000 Relikte, darunter Raritäten. Stadle­r: „Das Projekt wird weitergeführt, es gibt immer wieder neue Ergebnisse. Derzeit werden die Holzfunde sortiert.“

Historisch längst aufgearbeitet, schloss Harald Stadler mit seiner Spurensuche zur Kosakentragödie 1945 in Lien­z eine Lücke.

In den letzten zehn Jahren beförderte er Hunderte Alltagsgegenstände ans Tages­licht. Mit der Kosakengedenkkapelle sei man auf einem guten Weg. „Im Juli wird der russische Hauptfinanzier wieder vor Ort sein und über den Fortgang berichten.“ Harald Stadler, der für seine Verdienste um das Kosakentum mehrere Orden erhielt, setzt bei diesem Thema auf regen Austausch. Für 2015 ist eine Ausstellung geplant.

Enttäuscht zeigt sich Harald Stadler, dass die touristische Chance von verantwortlichen Stellen bisher nicht gesehen und genutzt wurde. Er verfolgt dieses Ziel weiter: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“


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