Tiroler Mars-Simulation mit „Landing Day“ gestartet

Gestern startete die dreiwöchige Marssimulation des Österreichischen Weltraumforums in Marokko. Vom Innsbrucker Kontrollzentrum aus wird alles genau kontrolliert.

Von Marco Witting

Innsbruck – Ein kleiner Schritt für die Menschheit. Ein großer für die Marssimulation des Österreichischen Weltraumforums (ÖWF). Kurz vor elf Uhr setzte gestern Daniel Schildhammer in Marokko in seinem Raumanzug seine Füße in den Wüstensand. Ganz so, als wäre er auf dem Mars. Zehn Minuten später wurden im Innsbrucker Kontrollzentrum die Bilder davon empfangen. Und während diese Schritte tadellos übertragen wurden, gingen die ersten Worte des Simulations-Astronauten vorerst verloren. Zu hören waren nur Rauschen und Atemgeräusche.

Die Zeitverzögerung, mit der alle Kommandos aus Innsbruck nach Marokko kommen, ist absolut gewollt. Sie ist existenzieller Bestandteil des Tests, simuliert die Entfernung zum Roten Planeten und die Dauer der Datenübertragung. „Es ist das erste Mal, dass eine Marssimulation drei Wochen lang mit einer Zeitverzögerung durchgeführt wird. Das ist ein großer Tag in der Geschichte der Marsforschung“, erklärte ÖFW-Flugdirektor Alexander Soucek. Wie alle anderen der über 100 Mitarbeiter (sie sind im Schichtdienst tätig) ist Soucek freiwillig und unentgeltlich in seinem Urlaub bei der Sache. In seinem Brotberuf arbeitet er bei der Europäischen Weltraumbehörde ESA und war auch schon bei der amerikanischen NASA tätig. „Gut, der Kontrollraum in Innsbruck mag nicht so sexy aussehen wie jener in Houston. Anders ist aber nur die Farbe der Wände und die Größe der Bildschirme. Ansonsten ist er voll funktionsfähig.“

Zweck der Übung in Marokko ist es, Geräte und Arbeitsabläufe für künftige bemannte Marsmissionen zu testen und brauchbare wissenschaftliche Daten zu liefern. Simuliert werden die Arbeit mit Raumanzügen sowie verschiedene Erkundungsgefährte, so genannte Rover.

Während in Innsbruck derzeit 30 Mitarbeiter in Räumen des Roten Kreuzes arbeiten, befindet sich in Marokko eine zehnköpfige Crew. Die in Schwaz lebende Fotografin Katja Zanella Kux ist eine von ihnen. „Abgesehen von der ‚falschen‘ Farbe des Himmels sind wir hier fast auf dem Mars“, vermeldet sie. Die Stimmung sei prächtig, einzig das morgendliche Zähneputzen im Freien bei gerade einmal null Grad sei noch etwas gewöhnungsbedürftig.

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Ansonsten laufe alles nach Plan, sagt Zanella Kux. Der gestrige Tag sei voll mit Höhepunkten gewesen. „Wirklich toll war der Livelink zur Internationalen Raumstation ISS, wo wir mit dem kanadischen Astronauten Chris Hadfield Kontakt hatten.“

In den kommenden drei Wochen stehen für die internationalen Weltraumforscher jeden Menge Versuche auf dem Programm. Unter anderem werden auch Projekte der NASA getestet. An der Marssimulation des ÖWF nehmen insgesamt 23 Nationen teil.

Dass einmal etwas nicht funktioniert, sei übrigens kein Problem, erklärt Soucek. „Wir wollen ja lernen“, sagte der Profi. Er dankte zudem den Verantwortlichen in Marokko für die „außergewöhnliche Hilfe“.

Wann der erste Mensch zum Mars fliegen werde, sei unklar. In den nächsten Jahrzehnten werde es jedenfalls so weit sein. Dann habe die Marssimulation aus Innsbruck einen „großen Mosaikstein zur Realisierung“ beigetragen. Dass der Mensch zu diesem Planeten aufbrechen werde, steht für Soucek außer Zweifel. „Die menschliche Neugier“ sei dafür verantwortlich.

Und auch was Astronaut Schildhammer zum Start der Mission gesagt hatte, konnte nach einiger Zeit geklärt werden: „Es ist ein Fehler zu glauben, eine kleine Gruppe von Menschen könnte nicht die Welt verändern. In Wirklichkeit ist es der einzige Weg, wie es immer funktioniert hat.“

Noch bis zum 28. Februar ist die Kommandozentrale in Innsbruck aktiv.


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