Rosenmontag: Keine Gnade für Merkel, Steinbrück und Schavan

Immer drauf auf die Polit-Prominenz: Merkel, Steinbrück, Schavan und Brüderle - sie alle trifft der beißende Spott der Rosenmontagszüge in den Karnevalshochburgen. Die meisten Narren finden das super.

Düsseldorf, Köln, Mainz – HBeißender Spott ohne Tabus und Gnade: Die Jecken haben sich am Rosenmontag genüsslich die Polit-Prominenz vorgeknöpft. So rollt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Köln vor Millionenpublikum als Muttersau mit sechs prallen Zitzen durch die Innenstadt, säugt gierige Ferkel aus Griechenland, Spanien, Italien und Portugal. FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle schnuppert als Straßenköter am Hinterteil einer blonden Hündin. Ein satirischer Beitrag zur Sexismus-Debatte um den Fraktionschef, mit närrischen Grüßen aus Düsseldorf im Jahr der Bundestagswahl.

Auch der Fehlstart von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wird in den Karnevalshochburgen nicht unter den Teppich gekehrt: In Mainz stopft sich der Honorar-Millionär die Taschen voll, in Düsseldorf lastet er als schwerer Stein auf seiner Partei. Nur zwei Tage nach dem Rücktritt von Annette Schavan (CDU) haben die Düsseldorfer Jecken die Ex-Bildungsministerin noch in rasender Eile in Pappmaché verewigt: Als „Plagiannette“ kommt Schavan ins Wanken - eine Kanonenkugel der Uni Düsseldorf im Rücken.

Politiker als Zielscheibe in den Karnevalshochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf? Den meisten Narren gefällt das. „Die Politiker müssen damit rechnen. Wenn man das im Karneval nicht mehr darf, ist der Spaß vorbei“, findet Isabelle Aretz aus Jülich. „Keine falsche Zurückhaltung an Karneval“, meint ihre Freundin Gina aus Köln. Das gelte auch für die Regierungschefin. „Das ist ja auch nicht persönlich gemeint oder verletzend, wenn Merkel als Mutterschwein gezeigt wird. Ein bisschen mehr tierische als menschliche Züge hätten man ihr aber vielleicht doch geben können.“

Holger (43) aus Krefeld hat Probleme mit der überdimensionierten Ferkelei: „Angie nackt? Das muss nicht sein. Es gibt auch Grenzen.“ Den Segen der Kirche haben die Wagen der Domstadt jedenfalls: Zum Richtfest des größten Rosenmontagszugs eilten vor wenigen Tagen der katholische Weihbischof Heiner Koch und der evangelische Oberkirchenrat Klaus Eberl in die Hallen des Festkomitees Kölner Karneval, um den Herrgott um Schutz und Segen für den Zug zu bitten.

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Während die echte Kanzlerin in Berlin Papst Benedikt XVI. nach seiner Rücktrittsankündigung höchsten Respekt zollt, ermahnt ihr Konterfei in Düsseldorf die Eurokrisenländer zum Sparen. Ein zorniger Grieche malt ihr dafür auf ein Hitler-Bärtchen auf. In Köln zieht Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) 7,5 Kilometer weit mit heruntergelassener Hose und blankem Hinterteil an den Jecken vorbei. „Das ist vollkommen ok, alles super. Im wahren Leben geht‘s geschmackloser zu“, findet Clown Klaus.

Auch die politische Bruchlandung beim Berliner Flughafen bleibt nicht ohne hämisches Echo. In Mainz haben der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Mattias Platzeck, beide SPD, schon graue Bärte und Spinnenweben angesetzt am Tag X der Airport-Eröffnung. Für Hippie Andrea aus Bocholt bringt der Humor auf Kosten der Politiker erst die richtige Würze ins Spiel: „Der Karneval muss einfach provozieren. Das ist Pflichtprogramm.“ (dpa)


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