„Bei uns seid ihr Team USA 3“

Schladmings Doppelweltmeister Ted Ligety spricht über Gelassenheit und lange Reisen als amerikanischer Nachwuchsrennläufer. Und er kontert einen Seitenhieb des ÖSV-Präsidenten.

Von Florian Madl

Schladming –Am Tag nach seinem Husarenstück in der Super-Kombination stellte sich ein entspannter Doppelweltmeister Ted Ligety den Medienvertretern. Der 28-Jährige aus Salt Lake City versprühte Charme, aber nicht ausschließlich.

Wie erklären Sie sich, dass die US-Amerikaner ausgerechnet bei Weltmeisterschaften eine so überragende Rolle spielen?

Ted Ligety: Wir hatten immer gute Athleten, nur nicht so eine Fülle an Fahrern wie etwa die Österreicher. Das Einzige, was wir vielleicht nicht haben, ist der Druck von außen.

Marcel Hirscher meinte zuletzt, das US-Team sei dabei, Österreich zu überholen. Was sagen Sie dazu?

Ligety: Klar, wir gewinnen viel, und das macht viel Spaß, vor allem in Österreich. Aber wie gesagt: Wir haben nicht die Fülle an Fahrern, nur einige Topfahrer, und die junge Generation dahinter scharrt noch in den Startlöchern.

Sie nützen die österreichische Infrastruktur, haben einen österreichischen Sponsor und viele österreichische Trainer. Verbandspräsident Peter Schröcksnadel meint, die USA könnte man als Bob-Team Österreich 2 bezeichnen.

Ligety: Unglücklicherweise haben wir nicht viele Optionen, denn der Ski-Weltcup spielt sich mehrheitlich in und rund um Österreich ab. Bei mir zuhause in Utah brauche ich eine Zeit, bis ich auf eine Rennstrecke komme. Wenn wir Österreich 2 sein sollen, sind die Österreicher während der Nordamerika-Tournee eben USA 3.

Trotz der Materialrevolution hält die Serie an Knieverletzungen an, auch bei dieser WM. Dabei sollte das verhindert werden.

Ligety: Skifahren bleibt ein gefährlicher Sport, es kann sich immer jemand verletzen. Gerade bei Weltmeisterschaften, wenn der Stolz auf dem Spiel steht, wenn es um Medaillen geht, ist der Druck noch einmal besonders groß.

Wie groß ist Ihr Druck vor dem Riesentorlauf?

Ligety: Den hatte ich schon bei den anderen Bewerben. Ich muss meinen Kopf freibekommen und tun, was ich am besten kann: Ski fahren.

Gaben Ihnen Lindsey (Vonn) und Bode (Miller), die beide verletzt sind, auf dem Weg zu Kombi-Gold Tipps? Vermissen Sie die beiden?

Ligety: Ich sprach nicht mit ihnen, holte mir also keine Tipps. Aber es ist schade, dass sie nicht da sind, denn die beiden sind echte Ski-Persönlichkeiten. Sie wirken inspirierend und fehlen uns.

Sie wirken relaxed – was liegt dem zugrunde?

Ligety: Als ich 14 war, reiste ich jedes Wochenende 14 Stunden, um zu einem Skirennen zu kommen. Ich reiste mehr, als ich Ski fuhr. Ich reiste mehr als jetzt im Weltcup. Wenn du in Amerika als Skifahrer überleben willst, die können nur entspannt sein und Stresssituationen gelassen entgegenblicken. In gewisser Weise prägte mich dieses Umfeld, dass ich jetzt entspannt sein kann. Das ist etwas anderes als etwa in Österreich, wo du das nächste Skigebiet zwei Meilen von deiner Haustüre entfernt findest. Und in eineinhalb Stunden hast du von überall im Land das nächste Skigebiet vor Augen. Deshalb müssen wir eine entspanntere Persönlichkeit haben, um mit der Situation umzugehen.

Das US-Team formulierte nie ein Medaillenziel wie Tina Maze (SLO) oder die Österreicher.

Ligety: Lesen Sie den Slogan auf unserem Plakat – das beste Ski-Team der Welt (lacht). Wir können das nicht, weil wir nicht die Dichte an Läufern haben, wir lassen das auf uns zukommen.


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