Zu Zeichen verdichteter Leidensweg

Hans Dragosits‘ zeichenhafter Kreuzweg begleitet im Dom durch die Fastenzeit.

Innsbruck –Inmitten der barocken Pracht des Innsbrucker Doms könnte der Blick fürs Detail, um nicht zu sagen für das Wesentliche, leicht verloren gehen. Umso mehr freut sich Domprobst Florian Huber, dass mit Hans Dragosits‘ „Via crucis – Versuch einer zeichenhaften Verdichtung“ der Blick wieder ein wenig geschärft werden dürfte – etwa auch auf die barocken Kreuzwegbilder des Doms, mit denen der Künstler seine eigenen in einen direkten Dialog setzt.

Die „Via crucis“ geleitet auf 14 schlichten schwarzen Kuben aber vor allem durch den Mittelgang des Doms: Auf ihnen hat der 1941 in Innsbruck geborene Dragosits die Kreuzwegstationen auf ihre „sprachliche Essenz“ reduziert. Und daraus in akribischen, fast meditativen Prozessen reizvolle Schriftbilder generiert: Mit spitzer Tuschfeder „zeichnete“ er die Kreuzweg-Texte, um ihnen schließlich durch fotografische und nochmals grafische Bearbeitung beinahe plastische Qualitäten zu verleihen.

Seit 2001 treten im Dom auf Initiative des „Kunstraum Kirche“ zur Fastenzeit zeitgenössische Kunst und Kirche in einen Dialog. Nach Julia Bornefelds wirkungsreicher Fotoinstallation „The Burning Supper“ vom vergangenen Jahr gibt sich die diesjährige Aktion weitaus reduzierter in der Form. Und mündet als subtiles Spiel mit neuen Zeichen für das vermeintlich Altbekannte in ein schlichtes, drei Meter hohes Holzkreuz, das alle Stationen auf sich vereint. (jel)

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