Maier tun die Sportler leid

Wenn sich Österreichs Jugend etwas aussuchen dürfte, dann würde sie mehrheitlich in die Rolle von Marcel Hirscher und Hermann Maier schlüpfen. Seite an Seite standen die Ski-Asse gestern Rede und Antwort.

Von Florian Madl

Schladming –Der Miene von Marcel Hirscher war beim gestrigen Auftritt für seinen Hauptsponsor Müdigkeit zu entnehmen. Der Salzburger nannte es Interview-Marathon, seiner Meinung nach befindet er sich auf der Zielgeraden: „Ich bin müde von A bis Z.“ Wissen will man von ihm alles, selbst das Valentinsgeschenk für seine Freundin Laura (rote Rosen). Mit der Goldmedaille im Teambewerb war am Dienstagabend etwas Druck von ihm abgefallen, darüber sei er vor dem Riesentorlauf (morgen) und dem Slalom (Sonntag) „sehr froh“. Jetzt sei er nur noch froh darüber, „dass es endlich losgeht“. Sprach‘s, und verließ das Podium. Abmarsch zum nächsten Termin, der Siegerehrung des Teambewerbs. Wieder Blitzlichtgewitter, wieder die gleichen Fragen, Marcel Hirscher weiß das. Und der 23-Jährige weiß mittlerweile damit umzugehen: „Auch ich lerne dazu“, ließ er wissen.

Ergiebiger waren da schon die Wortspenden von Hermann Maier, dem Vorgänger Hirschers als nationaler Hoffnungsträger. Wenn Hermann spricht, dann lauschen die Medienvertreter. Und auch wenn er schreibt, gehört dem Salzburger deren Aufmerksamkeit. Zuletzt tat das der 40-Jährige in seinem Blog zur Ski-Weltmeisterschaft. Und wieder gelang es ihm nicht, mit dem Strom zu schwimmen und sich in den Kanon namenloser Promi-Experten einzureihen. Hermann Maier wollte „einfach nur seinen Senf dazugeben“. Und er hatte in einigen sperrigen Sätzen nichts weniger als die mangelnde Selbstkritik von Funktionären des Österreichischen Skiverbands kritisiert. Damit löste er eine Lawine an Reaktionen aus.

Gestern bekräftigte der Flachauer die Aussagen, er schrieb diesen geradezu eine Schutzfunktion zu: „Ich wollte einen Denkanstoß liefern und mich gleichzeitig vor die Sportler stellen. Die haben mir an den vergangenen Tagen leidgetan.“ Die Athleten seien in der ersten WM-Woche über ihre Erwartungen gehandelt worden, die Saisonergebnisse hätten das allerdings nicht gerechtfertigt. Und dann sprach er aus, was wohl nach Meinung vieler auch für ihn gegolten hätte. „Abrechnen und kritisieren sollte man erst nach der Weltmeisterschaft.“ Dann müsse man die Strukturen hinterfragen und vor allem „langfristig“ denken. Einen Tipp äußerte Hermann Maier diesbezüglich bereits: „Es könnte alles etwas frischer werden.“ Hermann Maier, das Gewissen des Skiverbands? Nach Meinung von Moderator Harry Prünster eignet sich die Salzburger Ski-Legende auch als Vorlage für einen Film: „Hermann, dein Leben müsste ohnehin verfilmt werden.“ Eine reine Komödie wird das wohl keine, aber ein Happy End scheint dem Streifen jedenfalls gewiss.


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