Gemeindekassier bediente sich

Zillertaler Gemeindemitarbeiter muss sich nächsten Freitag vor Gericht verantworten.

Von Angela Dähling und Reinhard Fellner

Innsbruck –Blindes Vertrauen in ihren Gemeindekassier endete für eine Ziller­talgemeinde im Sommer des Vorjahres mit einem bösen Erwachen: Über Jahre hinweg soll der Mann kommunale Gelder offenbar zweckwidrig verwendet haben. Weder dem Überprüfungsausschuss noch dem Gemeinderevisor der Bezirkshauptmannschaft war jemals etwas aufgefallen. Als der langjährige Mitarbeiter im Urlaub weilte und Ungereimtheiten bei einer unerledigten Rechnung auffielen, kam das ganze Ausmaß nach und nach ans Licht. Eine fristlose Kündigung und polizeiliche Ermittlungen folgten.

Bei Letzterem zeigte sich der Kassier laut Polizei sehr kooperativ. Und in Gemeinderatskreisen heißt es, der ehemalige Mitarbeiter habe inzwischen die vollständige Summe von knapp unter 100.000 Euro an seinen ehemaligen Arbeitgeber zurückgezahlt. Am Landesgericht muss sich der untreue Gemeindekassier – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – nun am Freitag nächster Woche einfinden. Die Anklage wiegt schwer und lautet auf Untreue und Betrug – bis zu drei Jahre Haft drohen ihm.

Staatsanwalt Hansjörg Mayr auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung: „Der Angeklagte steht im Verdacht, über einen langen Zeitraum Gelder vom Gemeindekonto veruntreut und für private Zwecke benutzt zu haben. Auf der jeweiligen Bank hatte er zudem vorgegeben, im Auftrag von Gemeindeorganen Behebungen zu tätigen.“ Der strafrechtlich relevante Veruntreuungsbetrag beträgt dabei laut Staatsanwalt Mayr 45.000 Euro und liegt somit knapp unter der Grenze von 50.000 Euro, ab der bis zu zehn Jahre Haft gedroht hätten.

Damit aber nicht genug. Der Zillertaler war auch Kassier der örtlichen Schützenkompanie. Und auch hier stießen die Kameraden – hellhörig geworden aufgrund der Ereignisse im Gemeindeamt – im letzten Sommer auf Ungereimtheiten, worauf der Mann umgehend seines Amtes enthoben wurde. Außerdem ruht seine Mitgliedschaft bei den Schützen seit diesem Zeitpunkt.

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Zunächst wurde keine Anzeige erstattet, weil die Schützen die Sache erst intern mit dem Mann abklären wollten. Inzwischen, so heißt es seitens der Kompanie, laufen aber auch hier polizeiliche Ermittlungen.


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