Vom Leben gezeichnet

Mäuse, Menschen und Masken: Comic-Künstler Art Spiegelman wird heute 65.

Innsbruck –„Das menschliche Gehirn denkt nicht in Absätzen und Kapiteln, sondern in Bildern und unvermittelt abgeschossenen Sprachsalven“, sagte der New Yorker Comic-Autor Art Spiegelman einmal. Im Grunde funktioniert das Hirn also wie ein Comic. Und Spiegelmans großes Verdienst ist es, das Potenzial dieser Verwandtschaft als einer der Ersten zu nützen, indem er Themen aufgriff, die so gar nicht für kindgerechte Bildgeschichten geeignet schienen. Comics, das beweisen Spiegelmans Arbeiten seit den späten 1960er-Jahren, sind auch den dunkeln Seiten der Geschichte gewachsen.

In der zweibändigen Graphic-Novel „Maus“ (1986/1991), die ihn weltberühmt machte, erzählt er in der Bildsprache einer Tierfabel den Leidensweg von Spiegelmans Eltern, Wladek und Anja, durch Ghettos und Konzentrationslager in Polen nach. Es ist aber auch eine vielschichtige Reflexion darüber, was es heißt, vom Schrecken der Shoah zu erzählen und wie dieser Schrecken auch das Glück eines später Geborenen erschüttert. Kürzlich hat Spiegelman mit „MetaMaus“ (S. Fischer, 300 Seiten, 35 Euro) einen umfassenden Kommentar zu seinem Hauptwerk – dem ersten und bislang einzigen Comic, der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde – vorgelegt. Darin vollzieht Spiegelman den kreativen und schmerzhaften Prozess, aus dem „Maus“ hervorging, nach, erklärt, warum er Juden zu Mäusen macht, seine Nazis Katzen sind und er sich selbst hinter einer Maus-Maske versteckt.

Art Spiegelman hat mit seinen Arbeiten – neben „Maus“ sind auch „Im Schatten keiner Türme“ (2002), das Amerika nach den Anschlägen auf die Twin Towers illustrierte, und sein früherer Band „Breakdowns“, der 2008 wiederaufgelegt wurde, Klassiker – viel dafür getan, dass das Comic-Zeichnen erwachsen wurde. Dafür wurde er lange belächelt, dann hagelte es Kritik – jetzt wird er mit Preisen überhäuft. Heute feiert er seinen 65. Geburtstag. (jole)

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Kommentieren


Schlagworte