Einer der Besten der Welt - „Goleador“ Hans Krankl wird 60

Ob es je wieder einen Österreicher als Torschützenkönig des FC Barcelona geben wird? Hans Krankl gelang dieses Kunststück. Er ist Weltstar des Fußballs, Cordoba-Held, Rapid-Ikone und seit heute 60 Jahre alt.

Von Hubert Winklbauer

Innsbruck – Er ist der „Jahrhundert-Rapidler“, hat als Hütteldorfer und österreichischer Kicker alle Torrekorde revolutioniert und auch in den höchsten Sphären des internationalen Fußballs für Schlagzeilen gesorgt. Mit 267 Liga-Toren und 51 Cup-Treffern ist „Hanseee“ der beste Rapid-Goalgetter der Neuzeit, seine 18 Europacup-Tore sind unangefochtener Bestwert. Ganze viermal wurde Krankl im Rapid-Dress Torschützenkönig – in der Saison 1977

78 stellte die Hütteldorfer Ikone mit 41 Treffern zudem einen bis heute unerreichten Bundesligarekord auf, der ihm den „Goldenen Schuh Europas“ einbrachte.

Nach dem legendären WM-Doppelpack beim 3:2-Sieg 1978 gegen Deutschland in Cordoba wechselte er zum FC Barcelona, wo er als Torschützenkönig (29 Tore) zum „Goleador“ geadelt wurde. Mit Barca gewann er den Europacup der Cupsieger gegen Düsseldorf, war Schütze zum 4:3-Sieg in der Nachspielzeit.

Dass er 1978 hinter Kevin Keegan Zweiter der Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“ geworden ist, wissen eigentlich nur wenige. Dabei war es die einzige Nominierung, die ein Österreicher je für diese Wahl bekommen hat.

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Aber Hans Krankl, geboren am 14. Februar 1953, ist nicht nur der, als den ihn seine fußballerische Best-of-Liste ausweist. „Ich bin Gerechtigkeits-Fanatiker, bin der Verrückte und Depperte!“ In dieser Selbstkritik verpackt Krankl, worauf er über seine Erfolge als Kicker hinaus am meisten stolz ist: In der Rekonstruktion seiner Vergangenheit muss er sich nicht vorwerfen lassen, den Mächtigen hinten reingekrochen zu sein.

Die Kunst der Verstellung hat die schillernde Kickerpersönlichkeit nie beherrscht. Dem Verdacht, über den Kontroversen zu stehen, hat er sich nie ausgesetzt. Im Gegenteil: Er suchte sie. Und zwar bewaffnet mit einem gehörigen Maß an Selbstbewusstsein. Und so war es unausbleiblich, dass er für die einen Fußballgott, für die anderen ein Volldillo ist.

Damit kann er leben. Auch mit dem Vorwurf, ein von Idealismus gesteuertes Wesen zu sein. Und seinen Patriotismus pflegt er. Demonstrativ und mit Hand auf dem Herz. Und worauf er stolz ist, lässt er sich nicht vorschreiben: Etwa auf seine Wurzel als Wiener Arbeiterkind, auf seine österreichische Seele. Wer die verwundet, weckt den verbalen Rambo in dem Familienmenschen. Einer wie der Deutsche Paul Breitner – als Aktiver auch bei Real Madrid unter Vertrag – hat dies zu spüren bekommen: „Wenn ein Obertrottel wie der Paul schreibt, Österreich würde zu sehr Cordoba und den Idolen aus der Vergangenheit nachhängen, dann frage ich mich, wen störe ich? Wen halte ich auf? Bei den Deutschen ist es ja nicht anders: Die reden heute noch vom WM-Titel 1954. Aber was hat das mit dem heutigen Fußball zu tun? Mir einen Vorwurf daraus zu machen, dass es Cordoba gegeben hat – samma schon ganz deppert? Cordoba wird nie vergessen werden. Niemals. Und das soll auch so sein.”

Man kann die Rolle eines Österreichers, der das Mittelmaß gesprengt hat, so oder so anlegen – am Ende wird er der Häme anheimfallen. Das ging auch Krankl so. Aber warum soll er sich zurücknehmen? Er war zu seiner Zeit einer der besten Stürmer der Welt. So viele von dieser Sorte gibt es nicht. In Barcelona lieben sie ihn noch immer: Dort ist er im Bewusstsein der Fans das, was ihm die ganze Expertenwelt bescheinigt: Einer, der im seltenen Ausmaß Effizienz und Ästhetik in sich vereinigte.

1979 ist Krankl nach Österreich zurückgegangen. Aus einer internationalen Erfolgsgeschichte wurde „nur“ noch eine nationale: Zuerst hat er bei der Vienna gespielt, dann bei „seiner“ Rapid: Auch mit Rapid erreichte er 1985 das Finale des Europapokals der Pokalsieger, in dem die Wiener trotz eines Krankl-Tores mit 1:3 dem FC Everton unterlagen. Von 1986 bis 1988 schoss er für den Wiener Sportklub in 60 Spielen 40 Tore, 1989 machte er sich bei Salzburgs Fußball-Fans unsterblich: Er schoss in 14 Spielen zehn Treffer, ebnete den Mozartstädtern den Weg in die Erstklassigkeit (Tor des Jahres gegen Kufstein).

Der 69-fache Nationalspieler wurde Trainer (Rapid, Mödling, Innsbruck, Gerasdorf, Austria Salzburg, Fortuna Köln, LASK) und als solcher war er vom Glücksvogerl nur umflattert worden, Platz auf seinen Schultern hatte es nicht genommen. Auch nicht als Teamchef, der er von 2002 bis 2005 31 Länderspiele (10 Siege, 10 Remis, elf Flops) lang war. Sein Highlight? Ein 2:2 gegen England. Dass sein Vertrag vom ÖFB nicht verlängert worden war, war ihm eine große Kränkung.

Das Trainergeschäft hat er seit damals abgehakt: „Dort, wo ich hinwill, kann ich nicht hin, und dort, wo man mich haben will, will ich nicht hin.“

Die Familie war ihm das Auffangnetz. Und die Musik, die ihm eine große Liebe ist. Als Popbarde „Johann K.” tritt er mit der Band Monti Beton immer wieder auf. Dem Publikum gefällt‘s. Einen echten Hit (Platz 39 in der Ö3-Hitparade) hatte er auch: „Rostige Flügel“ mit Lukas Resetarits. Darin gibt er auch ein wenig seiner Lebenserfahrung wider:

I kenn an Mau, der schwimmt im Göd, owa ans herbuagn, des tät a net. Er kummt in Himml am End von sein Lebn. Er kummt in Himml und waßt, wos eam gebn? Sie gebn eam rostige Fliagl – aus zweita Haund. A klane Woikn mit kan Plotz. Rostige Fliagl, an klan Hölignschein und an Pullowa, der eam nua krotzt …


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